Ich durfte als 10-jähriger begeisterter Handballer auf der "Zuschauertribüne" dabei sein. Ich glaube nicht, dass seither jemals wieder über 400 Stimmberechtigte einer Gemeindeversammlung beiwohnten. Das hat sich mit der GV, an der ich, nebenbei bemerkt, nicht teilnahm, geändert. Die Einzelinitiative für ein Verbot von Feuerwerk hat mobilisiert. Über 400 Lärmgeplagte oder deren Stellvertreter (Hunde- und Katzenbesitzer) haben die Chance beim Schopf gepackt und der Knallerei auch noch an den letzten verbliebenen Tagen im Jahr den Garaus gemacht. Ein Sieg für die direkte Demokratie? Ich zweifle. Während im Sommer 1999 noch "konstruktiv" mobilisiert wurde, die Befürworter wollten sicher gehen, dass die wachesende Gemeinde auch wirklich die längst benötigte Infrastruktur ausbaut, hat man nun "destruktiv" mobilisiert. Es galt ein bestehendes Verbot weiter zu verschärfen, aus purem Eigeninteresse. Das ist leider der Zeitgeist. Das alte Credo, wonach die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die des Anderen beginnt, wird so pervertiert. Denn würde man alles verbieten, was irgendjemanden stört, wäre nichts mehr erlaubt. Gewiss ist es nicht schlimm, wenn in Volketswil keine Böller mehr gezündet werden dürfen. Vermeintlich ist es ja sowieso Geldverschwendung und überhaupt, wer unbedingt zeuseln will, der muss halt in eine Gemeinde fahren, die Feuerwerk (noch) erlaubt. Alles halb so schlimm, also? Mitnichten! Nicht nur, dass hier eine laute Minderheit einen uralten Kompromiss beerdigt hat, erachte ich insbesondere das Zustandekommen dieses Entscheides– nicht den Entscheid an sich – für hochgradig kritisch. Eine laute, gut organisierte Minderheit, nimmt einmalig und auch nur für ein einziges Geschäft an der GV teil und kann so alles beschliessen, was in deren Kompetenz liegt. Das ist nicht die Idee dieses direktdemokratischen Instrumentes. Unsere direktdemokratischen Volksrechte sind ein Privileg. Wir sollten damit sorgfältig umgehen. Wenn wir jetzt damit anfangen, diese Instrumente zu missbrauchen, um persönliche Partikularinteressen zu bedienen, höhlen wir die Demokratie selber aus. Es würde jedem gut tun, beim Gang an die Gemeindeversammlung oder beim Ausfüllen des Stimmzettels – sehr frei nach JFK - zu überlegen: Was ist gut für unser Gemeinwesen und nicht, was ist gut für mich. Noch war es nur ein Verbot, das niemandem wirklich weh tut. Wir sollten es dabei belassen. Es stimmt mich immerhin zuversichtlich, wurde doch der Einzelantrag, den Steuerfuss zu senken abgelehnt. Mein Portemonaie hätte sich gewiss gefreut, aber eben…
Silvio Joos, Zimikon

