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Gemeinderatswahlen - Neustart oder Durchstart?

Erstellt von Daniel Steiger, Volketswil | |   Unsere Zeitung

Ein Begriff, der im diesjährige Wahlkampf immer wieder fällt, ist "Neustart" (oder "Neuanfang"). Das klingt auf den ersten Blick positiv, fast wie "Frühlingsputz", oder - offensiver ausgedrückt - "ausmisten". Doch was meinen die Kandidaten und Leserbriefschreiber:innen eigentlich mit "Neustart"? Der Begriff "Neustart" impliziert, das Alte hinter sich zu lassen, einen Schlussstrich zu ziehen und es im Idealfall in Zukunft besser zu machen, als in der Vergangenheit.

Interessanterweise wird die Neustartfähigkeit (resp. -unfähigkeit) an einzelnen Personen festgemacht und nicht am Gremium Gemeinderat oder an der Sache, also den Gemeindegeschäften mit all seinen Sachzwängen, Entscheidungswegen, Gesetzen und übergeordneten Rahmenbedingungen. Also frei nach: der/die Neue wird’s schon richten.

Ich bin skeptisch, wenn das Wort "Neustart" in die ( Wahlkampf-)Schale geworfen wird, besonders dann, wenn der Begriff weder an konkreten Zielen festgemacht, noch durch einen Leistungsausweis untermauert wird. Eine Gemeinde mit 20'000 Einwohner:innen, einem vielfältigen Gewerbe- und Industriesektor, sowie hohen Anforderungen an die Mobilitätsinfrastruktur, lässt sich nicht einfach "neustarten". Volketswil kann auch nicht mit einer privatwirtschaftlichen Unternehmung, die primär an der Innovationsfähigkeit gemessen wird, verglichen werden. Die Führung einer Gemeinde muss sich an Attributen, wie Verlässlichkeit, Offenheit und Konsensfähigkeit orientieren.

Was ich mir wünsche, ist ein Gemeinderat der “durchstartet” - aufgefrischt mit neuen Köpfen. Aber auch mit bisherigen Köpfen, die bereit sind aus der Vergangenheit zu lernen und ihre Erfahrung zum Wohl der Gemeinde einzubringen. Wir brauchen einen Gemeinderat der den Volketswiler und Volketswilerinnen zuhört, ihre Bedürfnisse ernst nimmt und dabei die Zukunft im Auge behält. Sich von Visionen leiten zu lassen ist wichtig - wichtiger als gutklingende "Neustart-Phantasien", die nach der Wahl verdunsten, wie der Schnee in der warmen Frühlingssonne.

Daniel Steiger, Volketswil

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