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Das Himmelreich Gottes

Erstellt von Kristina Janacek, katholische Pfarrei Volketswil | |   Unsere Zeitung

Vor ein paar Tagen war ich in der Kirche St. Peter und Paul in Zürich. Sie hat eine kleine Kapelle – einen stillen Rückzugsort für viele Menschen, die dort täglich ein- und ausgehen. Auch ich gehe dorthin, wenn ich im Leben anstehe, wenn mich etwas belastet oder wenn ich Fragen habe. Dann zünde ich eine Kerze an, setze mich für ein paar Minuten hin und lasse die Stille wirken.

Jedes Mal nehme ich etwas mit – einen Gedanken, eine Klarheit, einen inneren Frieden. Bei meinem letzten Besuch blieb mein Blick an einem der Kirchenfenster hängen. Es zeigt Jesus, umgeben von Kindern. Und mir kam sofort die bekannte Bibelstelle in den Sinn: «Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich Gottes. Nur wer wie ein Kind ist, wird in das Himmelreich kommen.» Warum Kinder? Was meint Jesus damit? Kinder unterscheiden sich von Erwachsenen nicht durch ­fehlende Intelligenz, sondern durch ihre innere Haltung. Sie betrachten die Welt offen. Sie tragen noch nicht all die Bewertungen, Zweifel und Begrenzungen in sich, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln. Für sie ist vieles noch möglich. Am Anfang der Bibel steht die Geschichte von Adam und Eva. Sie lebten im Paradies – im Überfluss, in Unbekümmertheit, in unmittelbarer Verbundenheit mit Gott. Erst mit der Erkenntnis von Gut und Böse begann das Bewerten. Die Folge war kein äusserer Ortswechsel, sondern ein innerer: Der Mensch verliess den geistigen Zustand der Fülle und begann, sich selbst und die Welt als begrenzt wahrzunehmen. Mit Jesus wird diese Geschichte neu gedeutet. Seine Botschaft lautet: Das Reich Gottes ist nicht fern und nicht nur jenseits dieser Welt. Es ist bereits da – mitten unter uns. Immer dann, wenn der Mensch seine inneren Begrenzungen für einen Moment loslässt, öffnet sich dieser Raum von Weite, Güte und Verbundenheit. Kinder leben diesem Zustand noch nahe. Sie glauben an Möglichkeiten, wo Erwachsene oft schon Grenzen sehen. Und jene Menschen, die sich diese kindliche Offenheit bewahren, verändern die Welt – durch neue Ideen, durch Kunst, durch ihre Präsenz. Das sind die «Kinder», von denen Jesus spricht. Nicht im biologischen Sinn, sondern als innere Haltung. Wer sich diese Offenheit bewahrt, betritt das Himmelreich – hier und jetzt. 

Kristina Janacek, katholische Pfarrei Volketswil

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