«Ich wollte immer Lehrer werden, einen Plan B hatte ich nicht», meint Tom Neukom mit einem Lachen. «Ich kenne keinen Beruf, der so kreativ, emotional, intellektuell, sozial und persönlich fordernd ist», meint er mit Überzeugung nach 43 Jahren Berufsleben. Aufgewachsen ist er in Ebmatingen, für ihn sei seine Berufswahl schon im Kindergarten klar gewesen. «Warum, kann ich nicht sagen. Ich hatte weder im Elternhaus noch in der Verwandtschaft Lehrerinnen oder Lehrer.» Das Lehrerseminar schloss Tom Neukom 1983 mit der Note 5,8 ab, dem zweitbesten Abschluss aller Studierenden. Dass er sich als frisch ausgebildeter Lehrer in Volketswil bewarb, sei Zufall gewesen. «1983 herrschte im Gegensatz zu heute ein Überfluss an Lehrpersonen, daher habe ich mich schon vor dem Abschluss auf ausgeschriebene Stellen beworben.» Zum Vorstellungsgespräch lud ihn der Schulpräsident Louis Mayer persönlich ein – «nachdem ich ihm den ersten Termin absagen musste, da ich mich bereits für das Papiersammeln in meiner Gemeinde angemeldet hatte». Diese Treue gegenüber seinen Gemeindekameraden imponierte Mayer und er stellte Tom Neukom sogleich ein, obwohl er das Lehrerdiplom noch nicht in der Tasche hatte. «Mit dem guten Abschluss hätte ich danach unzählige Lehrerstellen annehmen können, doch ich hatte in Volketswil zugesagt – dabei blieb es auch.» Diese Loyalität zieht sich durch Tom Neukoms ganzes Arbeitsleben – es gibt wohl nur ganz wenige Lehrpersonen und Schulleiter, die ihrer ersten Arbeitsstelle und «ihrem» Schulhaus bis zur Pensionierung treu bleiben.
«Als Lehrperson kann man sich nicht verstecken»
Bereits im ersten Jahr als Mittelstufenlehrer ist er nach Volketswil gezogen. Er wollte nahe der Lebenswelt von Schülerschaft und Eltern sein. «Es war mir auch wichtig, in der Gemeinde mitbestimmen zu können», sagt er. Die Nähe zur Schule und der Arbeitsstelle hat er dabei stets als Vorteil gesehen. Einzig fürs Einkaufen ist er nach Effretikon gefahren. «Ich hatte keine Lust, in der Migros-Gemüseabteilung von Eltern auf die Mathiprüfung von letzter Woche angesprochen zu werden.» «Als Lehrperson kann man sich nicht verstecken, wenn man vor einer Klasse steht. Man muss wahrhaftig, ehrlich, respektvoll und offen sein – sonst scheitert man», ist der Schulleiter überzeugt. Nach diesem Grundsatz habe er auch seine Partnerschaften nie verheimlicht; 1997 hat er seinen Partner Yogi Teguh Misjiyono kennengelernt.
Ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe war ihm wichtig
Der Wechsel vom Lehrer zum Schulleiter – am Anfang noch in der Funktion als Hausvorstand – verstand er dabei nicht als Erfüllung eines Geltungsdrangs. «Ich wollte mich ein- und durchsetzen für möglichst viel Frei- und Gestaltungsraum aller Beteiligten.» Er habe sich als Zudiener verstanden, um optimale Rahmenbedingungen fürs pädagogische Arbeiten zu schaffen. In seiner Leitungsrolle – die er viele Jahre mit seinem Kollegen Jürg Bannwart ausübte – war es ihm immer wichtig, einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe mit Mitarbeitenden, Kindern und Eltern zu pflegen. «Jede und jeder ist in seiner Funktion unverzichtbar für die Qualität der Schule», so sein Credo. Kein leichter Abschied Nie hätte sich Tom Neukom vorstellen können, dass er kurz vor der Pensionierung mit einem Burn-out aus dem Arbeitsleben ausscheiden würde. Auslöser waren Herausforderungen mit zwei Konfliktsituationen in Klassen, bei denen er als Schulleiter sich nicht mehr in der Lage sah, das Wohlergehen aller Beteiligten sicherzustellen. «Das hat mir zuerst buchstäblich den Boden unter den Füssen weggezogen», blickt er auf diesen Moment zurück. «Heute geht es mir aber zum Glück wieder besser», meint er. Dazu beigetragen hat auch, dass er sein Burnout nicht verheimlicht hat und offen darüber sprechen kann. «Auch von der Schule, meinen Mitarbeitenden und Vorgesetzten fühlte ich mich getragen», zeigt er sich dankbar. Die Verabschiedung von seinem «Zänti»-Team sei ihm nicht leichtgefallen. «Vielen Dank, dass du uns beim Wachsen geholfen hast»: Diesen Spruch habe er zum Abschied von seinem Team auf einem Plakat erhalten. «Dies hat mir gezeigt, dass mein Wirken Früchte getragen hat, genau dies wollte ich als Schulleiter meinem Team ermöglichen. Es ist schön, dass dies angekommen ist», meint er. Seinen Ausfall und die Pensionierung nimmt er zum Anlass, neben seinem Partner ein soziales Umfeld aufzubauen, Dinge im Alltag zu geniessen und wieder einen festen Stand im Leben zu finden. Eines ist für ihn aber sicher: «Das ‹Zentral› bleibt für mich immer ein Stück Heimat.»
Dank für grossen Einsatz: Die Schulpflege, die Schulverwaltung, das Zentral-Team, die Schulleitungskolleginnen und -kollegen sowie das Elternforum IG Zänti gratulieren Tom Neukom herzlich zu seinem heutigen 65. Geburtstag. Für sein jahrzehntelanges Wirken und seinen Einsatz für die Schulgemeinde Volketswil und «sein Zänti» sprechen wir ihm unseren herzlichen Dank aus und wünschen ihm für seine private Zukunft alles Gute.


Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!