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Die Welt scheint langsamer zu atmen

Erstellt von Renata Petry, Pfarrei Bruder Klaus | |   Unsere Zeitung

Die Strassen flimmern. Die Luft steht still. Selbst die Bäume bewegen sich kaum. Menschen suchen den Schatten wie von selbst. Auf einmal ist da Zeit für einen kurzen Blick zum Himmel, für ein Glas kaltes Wasser, für ein Gespräch am Gartenzaun, das eigentlich gar nicht geplant war. Und überall derselbe Satz: «Ist das heiss.»

Wie schnell wir Menschen doch darin sind, mit dem Wetter zu ringen. Kaum scheint die Sonne zu lange, sehnen wir uns nach Regen. Regnet es tagelang, wünschen wir uns den Sommer zurück. Vielleicht ist das gar nicht nur beim Wetter so. Vielleicht leben wir oft ein Stück neben dem Augenblick. Mit unseren Gedanken beim Gestern oder Morgen, und selten ganz im Jetzt. Dabei hat jede Jahreszeit ihre eigene Sprache. Die Hitze sagt nicht: Beeil dich. Sie sagt: Werde langsamer. Sie zwingt uns fast dazu, den Schatten zu suchen, tiefer zu atmen, Pausen zu machen. Das, was wir uns selbst so selten erlauben. Ich frage mich manchmal, ob wir genau davor eigentlich fliehen. Denn wenn wir langsamer werden, begegnen wir nicht nur der Welt. Wir begegnen auch uns selbst. Dem Menschen, der unter der Stirn schwitzt. Dessen Hemd nicht mehr glatt ist. Dessen Haare machen, was sie wollen. Dem Menschen, der nicht perfekt aussieht und trotzdem liebenswert ist. Vielleicht sogar gerade deshalb. Ich stelle mir vor, dass Gott uns oft genau so ansieht. Nicht geschniegelt. Nicht geschniegelt genug für den perfekten Moment. Sondern lebendig. Echt. Mit roten Wangen, staubigen Schuhen und einem ehrlichen Lachen. Jesus traf die Menschen nicht nur im Tempel. Er ging mit ihnen über staubige Wege. Er setzte sich an Brunnen. Er ruhte unter freiem Himmel. Das Heilige geschah mitten im Alltag. Vielleicht geschieht es heute noch genauso. Im gemeinsamen Schmunzeln über den Ventilator im Büro. Beim Public Viewing, wenn Fremde plötzlich miteinander jubeln. Im Gottesdienst mit geöffneten Fenstern. Oder unter einem Baum, dessen Schatten sich anfühlt wie ein kleiner Segen. Vielleicht ist dieser Sommer keine Unterbrechung unseres Lebens. Vielleicht ist er eine Erinnerung daran, dass Leben nicht erst dann beginnt, wenn alles perfekt ist. Sondern genau jetzt. Mit allem, was gerade ist. Und vielleicht ist das am Ende das grösste Geschenk Gottes: Dass wir einfach da sein dürfen. Ganz. Hier. Jetzt. 

Renata Petry, Jugendseelsorgerin, Pfarrei Bruder Klaus

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