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Ein Auge zu, Fokus und peng!

Erstellt von Tobias Stepinski | |   Unsere Zeitung

 

Schnee und Wind prägen das traditionelle Winterschiessen in Gutenswil. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde hier geschossen und gemessen, wer der Beste ist. Doch an diesem Tag geht es um mehr als um die schwarze Zehn.

Schnee ist gefallen, Volketswil liegt am Morgen unter einer weissen De­ cke. Vor dem Schützenhaus in Gu­ tenswil knirscht der Schnee unter den Schuhen, drinnen ist es ruhig und konzentriert. Von der Armee­ waffe, dem Sturmgewehr 90, bis zu modernen Sportwaffen ist alles ver­ treten. Liegend, mit Augenklappen und konzentriertem Blick richten die Schützinnen und Schützen ihre Gewehre aus – das traditionelle Win­ terschiessen ist in vollem Gang.

Präsident Ruedi Schulthess steht mitten im Geschehen. Für ihn ist klar: «Am Winterschiessen ist Dabei­ sein alles.» Es gehe nicht darum, «we­ gen des höchsten Resultats» zu kom­ men. Entscheidend sei, dass man sich treffe und austausche. «Man sieht immer wieder Kollegen hier. Das ist das Wichtigste für einen loka­

len Schiessverein.» Der Schützenver­ ein Gutenswil wurde 1867 gegrün­ det. Das Winterschiessen gibt es seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, es findet inzwischen zum rund 90. Mal statt.

 

Hier geht es zum Video.

 

Jogger wollte hineinrennen

Am heutigen Tag machen die Wetter­ bedingungen den Schützinnen und Schützen zu schaffen. Schlechte Sicht und starker Wind lassen präzise Schüsse kaum zu, das Schiessen wird vorübergehend unterbrochen.

Während unterhalb des Schiess­ stands im Warmen zusammengeses­ sen wird, nimmt sich Hauptschüt­ zenmeister Willi Fuerst Zeit zum Reden. «Ich bin verantwortlich für die Sicherheit hier», sagt er. Eine Auf­ gabe, die Konzentration verlangt: «Wenn draussen jemand vorbeiläuft, muss ich das Schiessen sofort stop­ pen.» Im vergangenen Jahr habe ein

Sportler joggend den Bereich betreten wollen. «Ich konnte recht­ zeitig reagieren und das Schiessen stoppen», sagt Fuerst.

Andy Zaugg und Jörg Müller war­ ten derweil auf bessere Bedingun­ gen. Seit über acht Jahren kommen sie regelmässig ans Winterschiessen, hauptsächlich aus Freude am Anlass. Ihr bester Tipp, nicht ganz ernst ge­ meint: «Eifach d Schiibe träffe», sagt Zaugg, und beide müssen lachen.

Der Beste und die Prominenz

Draussen vor dem Stand strahlt einer über beide Ohren: Maxim Hauen­ stein. 96 Punkte hat er von 100 ge­ schossen, auch wenn er das zu die­ sem Zeitpunkt noch nicht weiss. Nie­ mand trifft an diesem Tag so genau wie er. «Ich schiesse jetzt schon seit fünf Jahren», sagt Hauenstein, er habe aber «erst seit dieser Saison mit Sportwaffen» begonnen.

Etwas später betritt ein prominenter Stammgast den Schiessstand: Heinz Bolliger. Der frühere Abteilungs­ leiter «Match» Leistungssport des Zürcher Schiesssportverbandes und Trainer an fünf Olympischen Spielen sagt: «Ich komme schon so lange hierher. Als Volketswiler ist das ein Muss.»

Am Ende zählt nicht nur das Re­ sultat. Alle Schützen erhalten einen Zopf, unabhängig von der Punkt­ zahl. Die besten zehn bekommen zu­ sätzlich einen besonders grossen: «Einen Kilozopf, da kann man sicher eine Woche davon essen», sagt Präsi­ dent Ruedi Schulthess. Und er sagt mit einem Lächeln: «Man kommt zu­ sammen, schiesst, lacht und ärgert sich gemeinsam über die Wetterver­ hältnisse. Auch das gehört dazu.»

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