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Ein Rutsch nach Rechts und zwei Abwahlen

Erstellt von Toni Spitale | |   News

Der Gemeinderat wird bürgerlicher: Mit Ioana Mattle verliert die GLP einen ihrer beiden Sitze. Ebenfalls ausscheiden wird der Parteilose Marcel Egloff. Neu nehmen Dejan Malcic von der SVP und Matthias Buob von der FDP im siebenköpfigen Gremium Platz. Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) konnte das Präsidium mit knapp 1000 Stimmen Vorsprung auf seinen Mitkonkurrenten James Frei (parteilos) verteidigen. Bei den Präsidien der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission sowie bei der evangelisch-reformierten Kirchenpflege wird es zu einem zweiten Wahlgang kommen.

Es war heute Sonntag kurz vor 16 Uhr - zeitlich früher als bei den letzten Erneuerungswahlen - als James Frei (parteilos) den mit grosser Spannung erwarteten Anruf auf sein Handy erhielt. Gemeinsam mit der parteilosen Gemeinderatskandidatin Sabrina Montilla-Ariano, der ebenfalls parteilosen Kandidatin für die Sozialbehörde Patricia Forrer, sowie zahlreichen Freunden, Verwandten und Sympathisanten fieberte der Anwärter für das Gemeindepräsidium im Foyer des Kuspo Gries den Resultaten aus dem Wahlbüro entgegen. Der amtierende Ressortvorsteher Alter und Gesundheit erreichte zwar für seine Wiederwahl in den Gemeinderat den zweiten Platz - 234 Stimmen hinter Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) - blieb aber für das Gemeindepräsidium mit 970 Stimmen hinter seinem Mitstreiter auf der Strecke. James Frei und Sabrina Montilla-Ariano zeigten sich trotzdem zuversichtlich. Sollte der Gemeindepräsident in naher Zukunft zurücktreten, weil er in den Nationalrat einziehe, werde er wieder in den Startlöchern sein, versicherte Frei gegenüber den Anwesenden. "Spätestens in vier Jahren werde ich wieder antreten." Sabrina Montilla-Ariano äusserte sich in einer ersten Reaktion etwas enttäuscht, dass sie nicht gewählt wurde. Mit 1689 Stimmen landete sie auf dem zehnten Platz. Einen erneuten Versuch bei einer nächsten Gelegenheit schloss auch sie nicht aus.

 

Das sagen die Kandidierenden zum Wahlresultat (Video)

 

Michael Grüebler von den Grünen (neu) erhielt 1213 Stimmen und setzte mit den elften Platz das Schlusslicht. Zum Apéro lud er ins Restaurant Memuzin beim Chappeli ein. Einerseits sei es schade, dass es ihm nicht gereicht habe, andererseits sei ihm auch stets bewusst gewesen, dass es als Grüner in Volketswil eben schwierig sei, viele Stimmen zu erhalten. Immerhin tröstete sich Grüebler damit, dass es auch ohne Einsitz im Gemeinderat möglich sei, in Volketswil etwas zu bewirken. Er erinnerte zum Beispiel daran, dass die letzten drei Initiativen von den Grünen eingereicht worden waren - jüngst das Feuerwerksverbot. Grüebler will es in vier Jahren nochmals probieren. "Ich möchte als Grüner im Gemeinderat einen Gegenpol setzen."

Der amtierende Hochbauvorstand Marcel Egloff (parteilos) befand sich im Gemeinschaftszentrum in der Au als er von seiner Abwahl erfuhr. Mit 1707 Stimmen stand sein Name auf dem neunten Platz. Das Resultat habe ihn überrascht. Nie und nimmer hätte er mit einer Abwahl gerechnet. Auf die Frage, ob seine Abwahl im Zusammenhang mit seinem kürzlichen Parteiaustritt aus der FDP stehe, darüber wollte Egloff nicht spekulieren. "Ich kann nach wie vor in den Spiegel schauen, das ist für mich momentan das Wichtigste." Er müsse sich vor nichts und niemandem verbeugen. 

Auch Ioana Mattle (Grünliberale), amtierende Sozialvorsteherin, konnte ihre Abwahl kaum glauben, wie sie auf Anfrage bestätigte. Zwar hat sie mit 1938 Stimmen das absolute Mehr (1920) erreicht, ist aber als Überzählige ausgeschieden. "Das ist schon bitter", so Mattle. In ihrem neuen Ressort Soziales habe sie einige interessante Projekte am Laufen, die sie nun nicht mehr zu Ende bringen könne. Auch Mattle wollte sich zu allfälligen Gründen ihres Ausscheidens noch nicht äussern. Sie müsse ihr Resultat zuerst einmal in Ruhe analysieren. Der nun erfolgte Rechtsrutsch im Gemeinderat bereite ihr aber Sorgen, inbesondere was das Soziale betreffe.

Dejan Malcic, Präsident der SVP (neu), hat mit 2017 Stimmen den frei werdenden SVP-Sitz von Sicherheitsvorstand Thomas Brauch verteidigen können. "Ich bin erfreut, dass wir ein solch' gutes Resultat erzielen konnten und freue mich über den bürgerlichen Rutsch im Gemeinderat." Der Gemeinderat werde nun ausgeglichener und politisch nicht mehr so einseitig wie bis anhin.

Michael Läubli (Grünliberale), amtierender Liegenschaftenvorstand, erzielte mit 2283 Stimmen den dritten Platz. So richtig freuen konnte er sich an der Wahlfeier im Theatersaal in der Au aber nicht. "Ich sehr enttäuscht, dass zwei bisherige Gemeinderäte abgewählt wurden." Die Zusammenarbeit mit den beiden sei sehr menschlich gewesen und beide seien in ihren Ressorts gut verankert gewesen. 

Karin Ayar (parteilos), amtierende Ressortvorsteherin Werke und Tiefbau, erfuhr von ihrer Wiederwahl am Telefon. "Ich hatte eine riesige Freude, war gleichzeitig aber auch traurig, dass ich zwei "Gschpänli" verlieren werde." Angesichts der im Vorfeld von den Neukandidierenden angekündigten Ideen und Änderungsvisionen erwarte sie in den kommenden vier Jahren eine spannende Zeit im Gemeinderat.

Matthias Buob von der FDP (neu) landete mit 2161 Stimmen auf dem vierten Platz. Mit seinen Kolleginnen und Kollegen von den Liberalen stiess er im Au-Zimmer auf seinen geglückten Einzug in die Exekutive an. "Ich war sehr erstaunt, denn ich hatte im Vorfeld nicht das Gefühl, dass es zu Verschiebungen kommt." Der Rechtsrutsch im Gemeinderat zeige deutlich, dass die Bevölkerung von Ideologie-Politik genug habe und wieder mehr Real-Politik wolle. Er freue sich besonders darauf, in den nächsten vier Jahren etwas zu bewegen, die Gemeinde zusammen mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung weiterzubringen und Volketswil im Gemeinderanking wieder dort hinzubringen, wo es hingehöre.

Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) verteidigte sowohl das Gemeindepräsidium mit 2'555 Stimmen als auch seinen Sitz als Gemeinderat (Finanzvorsteher)  mit 3'166 Stimmen. Von allen elf Kandidierenden erreichte er das beste Resultat. Nichtsdestotrotz habe auch er im Vorfeld zittern müssen. "Wahlen sind Wahlen und man weiss nie, wie letztendlich das Resultat ausfällt." Dass er einen geschätzten Kollegen und eine geschätzte Kollegin verloren habe, hätte er nie gedacht. Aber es sei so: "Tendenzen können sich ändern. Vor vier Jahren gab es eine mitte-links Tendenz, heute gab es eine Rechts-Tendenz. Es wird seine letzte Amtsdauer sein, das habe er auch schon so bekannt gegeben, bestätigte Pinto. "Ich setze mich aber nach wie vor voll für Volketswil ein, denn hier ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl und für mich gibt es keinen besseren Ort auf dieser Welt."

Die parteilose Sarah Fischer wurde mit 1753 Stimmen ebenfalls nicht gewählt. Die Stimmbeteiligung bei den Erneuerungswahlen für den Gemeinderat lag bei 43,66 Prozent.

Köpfe in der Schulpflege, Sozialbehörde, RGPK und der evangelisch-reformierten Kirchenpflege

Bei der Schulpflege betrug die Stimmbeteiligung 37,37 Prozent. Folgende Personen wurden ins neunköpfige Gremium gewählt: Raffaela Fehr (FDP, bisher), als auch Präsidentin, Sabina Hostettler (SVP, bisher), Maja Roca (parteilos, bisher), Sabine Wegmann (parteilos, bisher), Matthias Lüthi (parteilos, bisher), Christoph Tschanz (FDP, neu), Dimitrios Gakidis (FDP, bisher), Birgit Dell'Ava (parteilos, neu) und Gabriel Hürlimann (SVP, neu). Die parteilose Fabienne Donofrio-Scherrer (neu) hat zwar das absolute Mehr erreicht, ist aber als überzählig ausgeschieden.

Bei der Sozialbehörde lag die Stimmbeteiligung bei 37,67 Prozent. Folgende Personen wurden ins vierköpfige Gremium gewählt: Patricia Forrer (parteilos, bisher), Gabriela Stüssi (FDP, bisher), Urs Diriwächter (SVP, bisher), Andreas Pinsini (GLP, neu). Dominik Vogt von der SVP (neu) hat zwar das absolute Mehr erreicht, ist aber als überzählig ausgeschieden.

Bei der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission lag die Stimmbeteiligung bei 32,74 Prozent. Folgende Personen wurden ins fünfköpfige Gremium gewählt: Samuel Bond (FDP, neu), Tobias Wehr (parteilos, neu), Marco S. Marty (SVP, neu), Claudio Gugliotta (GLP, neu), Miloje Cvetic (SVP, neu). Timur Demiral von der GLP (neu) hat zwar das absolute Mehr erreicht, ist aber als überzählig ausgeschieden. Bei der Wahl fürs Präsidium erreichten weder Tobias Wehr (1307) noch Samuel Bond (1283) das absolute Mehr von 1531 Stimmen. Hier wird es zu einem zweiten Wahlgang kommen.

Bei der evangelisch-reformierten Kirchenpflege lag die Stimmbeteiligung bei 41,30 Prozent. Folgende Personen wurden gewählt: Claudia Kühni Eggenberger (parteilos, neu), Christina Atland (FDP, bisher), Karin Reichlin (parteilos, bisher), Cornelia Alder (parteilos, neu), Daniela Boelsterli (Die Mitte, bisher). Bei der Wahl fürs Präsidium wird es zu einem zweiten Wahlgang kommen.

 

 

 

   

 

 

 

 

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