Jedoch verpasste der gut gelaunte Chauffeur Bruno die Ausfahrt Richtung Flüeli-Ranft. In seinem unverkennbaren Appenzeller Dialekt meinte er: «Die Ehrenrunde ist im Preis inbegriffen ...» Froh gelaunt ging es nun hoch zum Dorf Flüeli auf einer Hochebene vier Kilometer oberhalb von Sachseln. Hier wurde Niklaus von Flüe geboren, hier lebte er mit Dorothee Wyss und den zehn Kindern. Vor dem Wohnhaus der Familie hielt der Car und einige von uns stiegen hinauf zur Flüeli-Kapelle, andere gingen direkt Richtung Kaffee und Gipfeli an der Sonne. Nach einer Feier in der oberen Ranftkapelle kam der steile Aufstieg zurück zum Car und nach kurzer Fahrt erwartete uns ein feines Mittagessen im Kloster Bethanien. Die Rundsicht über den Sarnersee und die Obwaldner Berge beflügelte uns und wir waren gespannt auf die Führung und die Lichtshow im Lumeum, dem 360°‑Filmerlebnis im ehemaligen Hallenbad des Klosters. Während 40 Minuten erwachten auf der Leinwand 100 Ölgemälde zum Leben. Niklaus und Dorothee wurden lebendig. Es folgten Bilder – mal statisch, mal bewegt, unterlegt mit klassischer Musik und Jodelgesang – aus dem Leben in Sarnen und Umgebung im 15. Jahrhundert. Die Lichtshow entstand nach einer Idee von Silvère Lang, Regisseur und Mitglied der charismatischen Gemeinschaft «Chemin Neuf». Diese Gemeinschaft führt seit 2012 das Seminarhotel des Dominikanerinnenklosters Bethanien. Im Anschluss an das 360°‑Erlebnis trafen wir uns mit einem katholischen Priester und Mitglied der Gemeinschaft «Chemin Neuf». Der Franzose erklärte uns, dass geweihte Brüder und Schwestern sowie Ehepaare, Frauen und Männer, Christen verschiedener Kirchen aus verschiedenen Kulturen, sich für das Abenteuer des Gemeinschaftslebens in der Nachfolge Christi entschieden haben: ob an der Strassenecke oder am anderen Ende der Welt, in den der Gemeinschaft anvertrauten Pfarreien oder im Berufsleben, in Ausbildungsstätten, Studierendenwohnheimen oder bei Strassenkindern. Auf der Heimfahrt ergänzte unser Reise- und Gemeindeleiter Tarzisius Pfiffner die Ausführungen, da er während seines Studiums selbst in Paris in einem Studentenheim der Gemeinschaft gelebt hatte. Eine erlebnisreiche und eindrückliche Wallfahrt ging (bei leichtem Regen auf der Heimfahrt) zu Ende. Der Regenschirm blieb trocken: Wenn Engel reisen ...
Lea Lange


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