Die vorgesehene Berechnungsbasis von 170'000 Franken (exklusive Spesenpauschale) für ein 100 Prozent-Pensum ist aus Sicht der FDP.Die Liberalen Volketswil als Entschädigung für ein Milizamt deutlich zu hoch angesetzt. Selbst in anspruchsvollen Berufsgruppen der Privatwirtschaft wird ein solches Jahreseinkommen trotz hoher Verantwortung und vollem Arbeitspensum nicht erreicht. Zur Veranschaulichung: Ein Bruttoeinkommen von 170'000 Franken jährlich gehört in der Region Zürich zu den Top 10-Prozent-Einkommen und liegt etwa doppelt so hoch wie der Medianlohn im Kanton Zürich. Die FDP.Die Liberalen Volketswil setzt bewusst auf Transparenz und schafft mit solchen Vergleichszahlen eine nachvollziehbare Einordnung der vorgesehenen Entschädigungen eines politischen Milizamtes. Es stellt sich deshalb die grundsätzliche Frage, ob hier noch von einer Milizentschädigung gesprochen werden kann oder ob faktisch die Grundlage für ein quasi berufspolitisches Modell geschaffen wird, welches den Charakter eines Milizamtes zunehmend in Richtung Berufspolitik verschiebt.
Die totalrevidierte Verordnung sieht weiter insgesamt 250 Stellenprozente innerhalb des Gemeinderates vor. Damit werden faktisch 2.5 Vollzeitstellen geschaffen. Für ein strategisches Führungs- und Steuerungsorgan erscheint ein derart hoher Umfang jedoch fragwürdig, zumal die operative Umsetzung grundsätzlich Aufgabe der Verwaltung ist. Der teilweise vorgenommene Vergleich mit Entschädigungsmodellen anderer Gemeinden überzeugt zudem nicht. Der Hinweis auf vergleichbare Modelle in anderen Gemeinden stellt für sich allein keine sachliche Rechtfertigung dar. Die Gemeindeordnung der Gemeinde Volketswil basiert auf dem im Kanton Zürich üblichen Milizsystem. Der Gemeinderat ist als politische Führungs- und Steuerungsbehörde konzipiert und nicht als vollamtliche Berufsexekutive.
Die vorgesehenen hohen Entschädigungen und Stellenprozente entfernen sich zunehmend vom traditionellen Milizgedanken und fördern aus Sicht der FDP.Die Liberalen Volketswil Fehlanreize hin zu einem Berufspolitikertum, welches mit dem ursprünglichen Charakter eines zeitlich begrenzten Milizamtes nur schwer vereinbar ist. Ein politisches Milizamt setzt nicht dieselben fachlichen Anforderungen und Qualifikationen voraus wie vergleichbare Führungspositionen in der Privatwirtschaft. Umso kritischer erscheint es, wenn Entschädigungen vorgesehen werden, die teilweise über dem Einkommen liegen, das viele Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber in der Privatwirtschaft überhaupt erzielen könnten.
Gerade in Zeiten, in denen gegenüber Bevölkerung und Verwaltung immer wieder eine zurückhaltende Budgetierung und ein sorgfältiger Umgang mit Steuergeldern gefordert wird, erscheinen solche zusätzlichen und wiederkehrenden Kosten nicht nachvollziehbar. Stimmen auch Sie an der Gemeindeversammlung für den Rückweisungsantrag der FDP Volketswil und damit für die Werte von Volketswil: ein starkes und glaubwürdiges Milizsystem, einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern, verhältnismässige Behördenstrukturen sowie eine bürgernahe und massvolle Gemeindepolitik.


Kommentare (1)
teb@hispeed.ch
am 27.05.2026Ein Milizsystem wird nicht dadurch gestärkt, dass man seine Ämter künstlich unattraktiv macht. Im Gegenteil: Wer Verantwortung trägt, muss auch angemessen entschädigt werden – sonst verliert die Gemeinde genau jene qualifizierten Personen, die sie dringend braucht.
Die Aufgaben eines Gemeinderates sind heute komplexer denn je: Millionenbudgets, Personalführung, Infrastrukturprojekte, Digitalisierung, Sozialwesen, Sicherheit. Diese Verantwortung lässt sich nicht mit einem nostalgischen Milizverständnis aus vergangenen Jahrzehnten bewältigen. Wer solche Aufgaben übernimmt, soll dafür eine Entschädigung erhalten, die dem zeitlichen Aufwand und der Verantwortung entspricht.
Es ist zudem nicht die Entschädigung, die darüber entscheidet, ob jemand „würdig“ ist, ein Amt auszuüben. Diese Entscheidung treffen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger – bewusst, informiert und demokratisch. Sie wählen jene Personen, die die festgelegte Entschädigung aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihres Engagements tatsächlich verdienen. Das ist gelebte Demokratie.
Ein Milizsystem, das nur für jene offensteht, die es sich finanziell leisten können, schlecht oder gar nicht entschädigt zu werden, ist kein Milizsystem mehr, sondern ein Ausschlussmechanismus. Angemessene Entschädigungen sorgen dafür, dass auch Menschen mit Familie, Beruf und normalem Einkommen ein politisches Amt übernehmen können. Das stärkt die Vielfalt, die Qualität und die Legitimation unserer Gemeindepolitik.
Wer das Milizsystem schützen will, muss es attraktiv halten – die neue Entschädigungsverordnung für Behörden und Kommissionen ist der richtige Weg.