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Frieden der Religionen

Erstellt von Andreas Bertram-Weiss, reformierter Pfarrer | |   Unsere Zeitung

«Darf ich hier in der Kirche beten?», fragt mich die Frau, die ihre langen grauen Haare zu einem Zopf hochgebunden hat. Wer sie in dem bunten Gewand sieht, erkennt sie an ihrer Hautfarbe und dem goldenen Nasenschmuck als Tamilin. Ich freue mich über ihre Frage und brauche ihr nicht zu erklären, dass wir in der reformierten Kirche keine Räucherstäbchen oder Früchte als Opfer darbringen.

Als Hinduistin aus Sri Lanka ist es ihr ein Bedürfnis, einen «heiligen Ort» für ihr tägliches Gebet zu haben, auch in dem Thurgauer Dorf, in dem ihre Familie lebt, die sie besucht. Als ich in Indien studierte, besuchte ich in der südindischen Stadt Madurai wöchentlich das interreligiöse Gebet, das im Garten des Gandhi-Museums verschiedene Religionen vereinte. Auch ich wurde eingeladen, als christlicher Vertreter eine Botschaft auszurichten. Das gemeinsame schweigende Gebet war fester Teil und zum Schluss sangen alle «We shall overcome», das mit der Vision des gemeinsamen Friedens der Religionen schloss. Ab und an ging ich in einer Stadt in eine Moschee, um der Hitze und dem Lärm der Strasse zu entfliehen und Momente der Ruhe und des Gebets für mich zu haben. Der Teppich zum Sitzen und der helle Raum wirkten in ihrer Bildlosigkeit auf mich wohltuend leer. Ein Widerspruch? Ganz und gar nicht. So beten auch arabische Christen zu Allah, das Wort für Gott, das mit dem hebräischen «Elohim» verwandt ist. Wer in Volketswil die Moschee und ihre Vertreter kennenlernen möchte, kann diese als Gast am 11. April um 17.30 Uhr besuchen. Die Kommission der ökumenischen Erwachsenenbildung organisiert diese Begegnung mit dem Imam-Zentrum. Nach den besonderen christlichen Festtagen Karfreitag und Ostern sowie dem muslimischen Fastenmonat Ramadan im März bietet sich damit eine gute Gelegenheit für Fragen und Gespräch. Neugierige sind herzlich willkommen. «Friede sei mit euch», sagte der auferstandene Christus wiederholt (Joh 20, 20). «Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden», formulierte der Schweizer Theologe Hans Küng. Respekt und Verständnis füreinander braucht es dafür. Und dieser Frieden beginnt mit den Menschen im Wohnort. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine friedvolle und gesegnete Osterzeit. 

Andreas Bertram-Weiss, reformierter Pfarrer

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