Seit Mittwoch, 1. Juli, ist Volketswil eine Einheitsgemeinde. Was bedeutet das für Sie als Gemeindepräsident, Herr Pinto, und für Sie als Schulpflegepräsidentin, Frau Fehr?
Jean-Philippe Pinto: Für Volketswil beginnt eine neue Ära. Das ist die grösste politische Veränderung in der Geschichte der Gemeinde. Doch wir waren mit diesem Schritt im Trend, denn zahlreiche andere Gemeinden im Kanton Zürich haben sich in der Zwischenzeit auch zusammengeschlossen. Das Projekt ist aber noch längst nicht beendet. In einem zweiten Schritt geht es jetzt ans «Finetuning».
Raffaela Fehr: Für die Schule ist es nach wie vor ein Autonomieverlust. Insbesondere im Bereich der Liegenschaften geben wir ab. Es wird bestimmt mehr Koordinationsaufwand erforderlich sein. Mit der neu gebildeten Liegenschaftenkommission hat man aber grundsätzlich ein gutes Gefäss geschaffen, so dass auch die Bedürfnisse der Schule in Sachen Schulraumplanung angemessen abgedeckt sein werden.
Was ändert sich mit der Einheitsgemeinde für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde?
Pinto: Perfekt ist die Einheitsgemeinde dann, wenn die Bürgerinnen und Bürger im Alltag nur wenig davon zu spüren bekommen. Es sind kleine Änderungen, wie zum Beispiel, dass es nur noch eine gemeinsame Gemeindeversammlung gibt. Neu ist, dass sich der Gemeinderat mit dem Thema Bildung befassen wird, dies gilt vor allem im Rahmen der Liegenschaften und Finanzen. Das war bis anhin nicht der Fall. Neu ist auch der Bildungsvorstand Teil des Gemeinderates.
Fehr: Ich habe den Anspruch, auch an uns selber, dass die Einheitsgemeinde für die Bevölkerung zu einem Mehrwert wird. Insbesondere bei Schulthemen. Wir haben die ganze Betreuung zusammengelegt und es ist wichtig, dass die Eltern einen Ansprechpartner haben und merken, dass es nicht mehr Angebote sowohl von der Politischen Gemeinde als auch von der Schulgemeinde gibt. Bei den Themen Frühförderung und Schulabgänger, zwei grosse gesellschaftliche Herausforderungen, sehe ich insofern einen Mehrwert für die Bevölkerung als dass die Bereiche Soziales und Bildung nun näher zusammenarbeiten werden.
Der Zeitplan war sportlich. Von der Abstimmung an der Urne im Herbst 2024 bis zur Inkraftsetzung dauerte es nicht einmal zwei Jahre. Konnten alle für die neue Körperschaft notwendigen Aufgaben auch termingerecht umgesetzt werden?
Pinto: Dass die beiden Geschäfte Personalverordnung und Behördenentschädigungen an der Gemeindeversammlung durchgekommen sind, war für uns grundlegend. Somit haben wir einen sauberen Übergang. Vieles ist aber noch zu tun. Wir können aber bestätigen, dass jene Aufgaben, die notwendig respektive gesetzlich fixiert sind, gemacht worden sind.
Fehr: Auf strategischer Ebene haben wir die wichtigsten Punkte erledigt, so dass wir aus rechtlicher Sicht sauber starten können. Auf operativer Ebene wird es noch ganz verschiedene Fragen zu klären geben wie zum Beispiel wie man künftig Mitarbeiterfeste organisiert oder Pensionierte verabschiedet. Gewisse Traditionen werden, so glaube ich, auch weiterhin separat oder in einer unterschiedlichen Form beibehalten.
Welches sind die grössten Herausforderungen bei der Zusammenführung von Politischer Gemeinde und Schulgemeinde?
Pinto: Es ist ein politischer Prozess, der nicht ganz einfach ist. Wir sprechen hier von zwei verschiedenen Kulturen, die über Jahre hinweg aufgebaut worden sind. Aus meiner Sicht ist ein Nebeneinander von diversen Kulturen ein gangbarer Weg, das zeigt sich auch verwaltungsintern bei unseren Abteilungen, die von den Aufgaben her und von den Leuten, von denen sie geführt werden, schon unterschiedlich sind.
Fehr: Ich wiederhole das, was ich am Anfang schon gesagt habe. Für die Schule ist die Einheitsgemeinde ein Autonomieverlust. In der Vergangenheit ist die Schule gut gefahren und spürte auch keinen Leidensdruck für einen Zusammenschluss. Wir stehen der neuen Organisation aber positiv gegenüber und sind zuversichtlich, dass es gut kommt. Die Annäherung der unterschiedlichen Kulturen wird aber sicher noch seine Zeit brauchen.
Können Sie in etwa abschätzen, wie viel Arbeitsstunden in die Einheitsgemeinde geflossen sind und wie viele Franken das Projekt den Steuerzahler gekostet hat?
Pinto: Das ist schwierig abzuschätzen. Die Kosten fallen auf jeder Stufe in den Behörden und in der Verwaltung an. Die geleisteten Stunden sind beträchtlich. Es war ein grosser Mehraufwand in kurzer Zeit zu leisten. Dazu kommen die Kosten für die Begleitung und Expertisen. Der Kanton richtet auch noch einen kleinen Unterstützungsbeitrag aus. Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die zum Gelingen dieses Grossprojekts beigetragen haben, insbesondere den beiden leitenden Angestellten, dem Gemeindeschreiber Beat Grob und der Leiterin der Schulverwaltung, Vincenza Marino. Sie haben nebst ihren täglichen Aufgaben sehr viel Zeit für die Einheitsgemeinde aufgewendet.
Fehr: Von meinen operativ tätigen Mitarbeitenden sind viele hundert Stunden ins Projekt flossen. Aber über den Aufwand, welche meine Behördenmitglieder betrieben haben, fehlt mir der Überblick. Mit Sicherheit kann ich sagen, dass meine Schulpflegekollegin Sabine Wegmann unzählige Stunden ins Projekt «Liegenschaftenkommission» investiert hat.


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