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Guido Gimmi

Erstellt von Karin Steiner | |   Unsere Zeitung

Seit zehn Jahren verteilt der Pöstler Guido Gimmi täglich Pakete in der Region rund ums Volkiland. Nächstes Jahr geht er in die wohlverdiente Pension, doch er ist so beliebt, dass ihn die Kundschaft nicht gehen lassen will.

«Es ist unglaublich, was ich mit meinen Kundinnen und Kunden täglich Schönes erlebe», sagt Guido Gimmi und winkt im Restaurant einem Mann zu, der ihn über alle Tische hinweg begrüsst. «Auf der Strasse rufen mir die Kinder ‹Hoi Guido!› zu, und überall werde ich herzlich empfangen und willkommen geheissen. Die Leute sagen mir, wie traurig sie sind, dass ich nächstes Jahr in Pension gehe. Und ich muss gestehen, auch ich werde meinen Job sehr vermissen. Es ist für mich ein absoluter Traumjob. Ich bin mit fast allen Leuten per Du. Ein kurzer Schwatz liegt bei der Arbeit immer drin, und so habe ich auch viel Persönliches von den Leuten erfahren, habe Trauriges wie Tod oder Scheidung miterlebt, aber auch viel Schönes.» Im Volkiland kennen alle den Pöstler Guido, der hier täglich sein Mittagessen einnimmt. Immer wieder wird er auf seine Pensionierung angesprochen, und man möchte ihn überreden, länger zu bleiben. Doch am 30. April 2027 ist definitiv Schluss, auch wenn es ihm schwerfällt.

128 Länder bereist

Guido Gimmi ist gelernter Luftverkehrsangestellter und hat bei der Swissair 20 Jahre lang Fracht ein- und ausgeladen. Dann kam das Grounding, und er widmete sich erst einmal seinem Hobby, dem Tauchen, das er während seiner Swissair-Zeit ausgiebig ausgekostet hat. «Ich habe insgesamt 128 Länder besucht und beim Tauchen in allen Meeren 1800 Tauchgänge absolviert», erzählt er. Auf einer seiner Reisen lernte er in Bangkok 1988 seine künftige Frau Patthama kennen, und so ging er nach dem Grounding mit ihr und der Familie, zu der zwei Stiefsöhne, ein gemeinsamer Sohn und eine Adoptivtochter gehören, erst einmal für ein Jahr nach Thailand. Zurück in der Schweiz, suchte er einen Job und fand ihn bei der Post. Das war vor 19 Jahren. «Anfangs war ich Ablöser in der ganzen Region», erzählt er. «Das war anstrengend, denn man muss vieles im Kopf haben. Doch dann bekam ich die feste Tour rund ums Volkiland.» Rund 360 Pakete transportiert er täglich zu den Haustüren, manche sind bis 30 Kilo schwer. «Früher waren es weniger und leichtere Pakete. Doch während der Pandemie kamen die Leute auf den Geschmack mit dem Bestellen. Was die Umweltbelastung betrifft, macht es für mich Sinn, denn wir bringen die Pakete mit dem Elektroauto zu den Haustüren, was weniger Emissionen verursacht, als wenn die Leute mit ihren Autos zum Einkauf fahren würden. Der grosse Nachteil ist jedoch das Lädelisterben.»

Grosse Pläne in Thailand

Die Pensionierung bereiten er und seine Frau, die das Restaurant vom Sportplatz Grafstal führt, schon seit langem vor. Denn sie planen, auf der Insel Koh Jum im südlichen Thailand ein Resort mit 18 Bungalows, einem Restaurant und einem Infiniti-Pool zu bauen. «Das war schon lange ein Lebenstraum von uns», sagt Guido Gimmi. «Die Insel ist ein absolutes Paradies mit traumhaften Stränden und idealen Bedingungen für Taucherferien.» Die Bungalows befinden sich bereits im Bau, und die Gimmis stecken jeden Rappen in ihr Projekt, das «Apinya Resort House of Switzerland» heissen wird. Das zuvor ungenutzte Land wurde von Verwandten von Patthama Gimmi zur Verfügung gestellt, und die restlichen finanziellen Mittel resultieren aus der Pensionierung. Um Geld für Bäume und Sträucher, rollstuhlgerechte Wege und den privaten Mangrovenstrand zu sammeln, hat er auf der Plattform für Crowd­funding, GoFundMe, einen Spendenaufruf unter dem Stichwort «Koh Jum» gestartet. «Meine Frau hat viel Verwandtschaft vor Ort, die uns unterstützen wird. Auch Personal zu finden, ist in Thailand kein Problem», ist Guido Gimmi überzeugt. «Zudem hat meine Frau in ihrem Job grosse Gastroerfahrung sammeln können. Meine vielen Fans hier in Volketswil rühren bereits die Werbetrommel für mich und mein Projekt, obwohl sie eigentlich nicht möchten, dass ich meine Arbeit aufgebe.»

20 Jahre bei der Post

So geht Guido Gimmi Ende April 2027 mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Pension: glücklich über die 20 schönen Jahre, die er bei der Post verbringen durfte, und erwartungsvoll, was ihm der neue Lebensabschnitt bringen wird.

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