Im Wahlkampf warben Sie gegen «Pflästerli-Politik». Ist sie Ihnen im Gemeinderat schon begegnet?
Das geht über den Gemeinderat hinaus. Auf allen Staatsebenen wurde und wird viel Pflästerli-Politik betrieben. Nehmen wir nur die teils realitätsfernen Gesetzesartikel, an die wir uns halten müssen: Da wurden Pflästerli darübergeklebt, anstatt die Probleme zu lösen. Das begegnet mir tagtäglich – und genau da will ich ansetzen.
Volketswil stehe still, sagen viele, während die Nachbarn wachsen.
Ich nehme das ähnlich wahr. Das war auch der Grund, warum ich in die Kommunalpolitik eingestiegen bin. Ich hatte zuvor mehrfach abgesagt. Aber ich wollte nicht länger zuschauen, wie verwaltet statt gestaltet wird. Volketswil hat viel mehr Potenzial.
Nun sind Sie seit gut drei Monaten im Amt. Was läuft gut, was nicht?
Sehr positiv finde ich, wie ich in den Abteilungen aufgenommen wurde und wie gross die Bereitschaft ist, bei meinen Themen mitzuziehen. Ich weiss, dass ich ein urliberales Gestein bin. Mein Staatsverständnis ist nicht für alle einfach zu akzeptieren. Trotzdem ist die Zusammenarbeit gut. Was mich fordert: Der Handlungsspielraum bei gewissen Themen ist stark eingeschränkt. Die Vorgaben von Kanton und teilweise Bund an die Gemeinden gehen deutlich zu weit. Wir bezeichnen unser Land als föderalistisch, doch mit Föderalismus hat das nichts zu tun. Das ist Zentralismus. Hier müssen wir Gemeinden selbstbewusst auftreten und uns aktiv für unseren Spielraum einsetzen.
Dieser Einsatz kostet Zeit. Die Gemeinde rechnet für das Amt mit 20 bis 30 Prozent. Wie viel ist es bei Ihnen?
Bei mir ist es anders, weil ich zwei Ressorts führe. Ich bin vor Ort, wenn es mich braucht. Das variiert; in der Anfangsphase ist es sicher mehr. Ich zähle die Stunden nicht – entscheidend ist, was wir bewegen.
Verändern wollen Sie vor allem die Finanzen. Wie steht Volketswil da?
Volketswil steht finanziell nicht so gut da, wie es könnte. Mein Anspruch an den Staat: möglichst tiefe Steuern, eine schlanke Verwaltung und keine Verschuldung. Ich will die Steuern massiv senken. Ich will Leistungen, die keine Staatsaufgaben sind, massiv abbauen. Wer auf Unterstützung angewiesen ist, dem müssen wir helfen. Ich denke an Senioren, an Kinder, an Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, an Menschen aus Kriegsgebieten. Das steht für mich ausser Frage. Darüber hinaus sehe ich wenig Spielraum für zusätzliche Leistungen. Missbrauch akzeptiere ich nicht. Dagegen muss der Staat konsequent vorgehen.
Und was braucht Volketswil, damit es finanziell besser dasteht?
Wir brauchen eine klare Vision, Volketswil 2050. Diese und Ideen dazu bringe ich im Gemeinderat ein. Bei den Steuern braucht es Mut zur Vorleistung. Ich würde das Experiment wagen und den Steuerfuss um 10 Prozentpunkte senken mit dem klaren Auftrag an die Verwaltung: Die Ausgaben werden konsequent auf das Notwendige ausgerichtet. Ich bin überzeugt, dass das funktioniert und rasch neue Einwohnerinnen und Einwohner anzieht.
«Auf die Frage, wo man weniger ausgeben könnte, lautet die erste Antwort oft: unmöglich.»
Warum bleibt der Steuerfuss dann erneut bei 101 Prozent?
Weil wir Ausgaben noch zu wenig grundsätzlich hinterfragen. Auf die Frage, wo man weniger ausgeben könnte, lautet die erste Antwort oft: unmöglich. Das will ich ändern. Ich spreche bewusst nicht von Sparen. Der Staat spart nie: Sparen hiesse, Geld auf die Seite zu legen. Der Staat gibt immer nur Geld aus – die Frage ist, wie viel. Ich will, dass er weniger ausgibt. Oft heisst es, die Bevölkerung wünsche eine bestimmte Leistung. Dabei fragen wir zu selten, ob das überhaupt eine Staatsaufgabe ist. Ein Beispiel ist eine 30er-Zone: Die Messungen zeigen, dass kaum ein Auto schneller als 35 km/h fährt – trotzdem wird sie gefordert. Bei jeder Forderung sollten wir deshalb fragen: Ist das eine Staatsaufgabe, und ist es uns das Geld der Steuerzahlenden wert?
Laut wird es in Volketswil vor allem bei Alltäglichem wie Littering und E-Trottinetts. Braucht es mehr Verbote und Kontrollen?
Verbote und Kontrollen allein lösen das Problem nicht. Es ist weniger ein Sicherheits- als ein Gesellschaftsthema. Oft sind es dieselben Leute, die Littering beklagen und gleichzeitig nach mehr Regulierung und mehr Staatsaufgaben rufen. Doch gerade der stetige Ausbau staatlicher Leistungen führt zu einem Bevormundungsstaat und entlässt die Menschen aus der Eigenverantwortung. Littering und rücksichtsloses Verhalten sind eine Folge davon. Ich setze deshalb auf Eigenverantwortung statt auf neue Verbote.
Was für eine Polizei wollen Sie?
Eine nahbare Polizei, nah bei der Bevölkerung – Freund und Helfer. Sie soll primär unterstützen und ermöglichen: Anlässe bewilligen und nach Lösungen suchen statt nach Gründen, warum etwas nicht geht. Und wenn es brennt oder eine kritische Situation entsteht, muss sie da sein und konsequent durchgreifen.
Sie haben viel vor. Ist der Gemeinderat für Sie ein Sprungbrett?
Nein. Mein Ziel ist weder ein höheres Amt noch die Wiederwahl, sondern Resultate. Ich bin angetreten, um anzupacken. Nicht maulen, sondern machen.
Dann blicken wir vier Jahre voraus: Was haben Sie erreicht?
Wir haben eine klare Vision, Volketswil 2050. Wir haben zahlreiche Bauprojekte ermöglicht. Der Staat ermöglicht, er führt nicht aus. Wir haben die Steuern massiv gesenkt. Wir haben die Verwaltung digitalisiert und verschlankt. Und wir haben Freude an dem, was wir tun, und daran, Volketswil weiterzubringen.


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