Das neuste Werk von Irene Abbassi entstand eher zufällig. «Ich treffe mich wöchentlich mit meiner Schwester, die seit einiger Zeit Single ist und etwas daran ändern möchte», erzählt sie. «So hat sie sich bei verschiedenen Dating-Apps angemeldet und mir jeweils von ihren Erlebnissen erzählt. Zum Spass schlug ich vor, einen Fragebogen zu machen und die Ergebnisse der Antworten in einem Buch zu verarbeiten.» Gesagt, getan. Gemeinsam stellten die beiden Frauen einen Fragebogen zusammen, den sie anonymisiert in ihrem privaten Umfeld und auf verschiedenen Online-Single-Börsen per Link verschickten. 105 Fragebogen sind zurückgekommen von Singles zwischen 50 und 82 Jahren, 45 Prozent davon waren Männer. 98 der Fragebogen wurden ausgewertet und die Resultate flossen in gewisse Kapitel des Buches «Single Ü50 – Und jetzt?» ein. Der Bogen enthielt Fragen wie «Möchtest du grundsätzlich wieder eine Beziehung?», «Was wünschst du dir am meisten von einer möglichen Partnerschaft», «Was empfindest du als grösste Schwierigkeit beim Kennenlernen?» oder «Was möchtest du auf keinen Fall mehr erleben?».
Viele persönliche Gedanken
Daneben hat Irene Abbassi, die ihre Bücher alle unter dem Pseudonym Zoe Winter veröffentlicht hat, auch viele persönliche Gedanken und Erlebnisse in die Kapitel einfliessen lassen. «Das Buch betrifft nicht nur Menschen über 50, die auf Partnersuche sind», sagt die 64-Jährige, die bewusst als Single lebt. «Nicht alle Singles suchen eine neue Beziehung, sie geniessen ihre Freiheit. Als Single muss man sich jedoch oft gegen aussen verteidigen. Und man muss erleben, dass man nicht mehr so oft eingeladen wird wie als Paar.» Viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen plötzlich alleine sind, erleben oft Gefühle von Einsamkeit oder Selbstzweifeln. Sie glauben, eine Partnerschaft könne sie aus diesen Gefühlen herausreissen. Doch man kann auch in einer Partnerschaft einsam sein. «Man muss erst einmal lernen, sich selber auszuhalten. Und dabei können Rituale helfen.» Ein weiteres Thema, das Menschen in der zweiten Lebenshälfte beschäftigt, ist die äusserliche Veränderung. «Niemand sieht mit 60 gleich aus wie mit 30. Nicht alle können gleich gut damit umgehen. Doch wahre Attraktivität hat gemäss Irene Abbassi wenig mit dem Alter zu tun. «Ein Mensch ist attraktiv, wenn er bei sich ist. Denn der Wert eines Menschen hängt nicht davon ab, wie lange er noch einem Bild entspricht.»
Raus aus dem Single-Alltag
Wer auf der Suche nach einer neuen Partnerschaft ist, nutzt heute oft digitale Medien wie Dating-Apps. Doch wie präsentiert man sich dort am besten? Wie ehrlich darf man dabei sein? Man verfasst nach langem Hin und Her einen Text über die eigene Person und wartet auf Antworten. Manchmal kommt ein angeregter schriftlicher Austausch in Gang, andere Wortwechsel wiederum verlaufen harzig. Vielleicht kommt es zum ersten persönlichen Treffen, man lernt sich persönlich kennen. «Aber oft kommt es vor, dass man jemanden kennenlernt, die Person sogar trifft, und dann bricht der Kontakt plötzlich kommentarlos ab», sagt Irene Abbassi. «Die Betroffenen fühlen sich dadurch minderwertig und suchen die Schuld bei sich.» Es mache sie auch wütend, wenn per Inserat Leute «ohne Altlasten» gesucht würden. «Gerade das, was man erlebt hat, macht doch einen Menschen aus!»
Jeden Menschen respektieren
Irene Abbassi lebt seit 25 Jahren in Volketswil. Sie teilt ihre Wohnung mit ihrem Sohn und zwei Katzen. In ihrem Beruf als Arztsekretärin im Bereich Rheumatologie hatte sie viel Kontakt mit Menschen. «Es entstehen oft gute Gespräche, bei denen viel an die Oberfläche kommt. Oft kann man ihnen helfen, manchmal braucht es nur ein gutes Wort. Jeder Mensch ist wertvoll!» Das Schreiben war schon immer ihre grosse Leidenschaft. Schon 2019 hat sie verschiedene Ratgeber geschrieben. Während der Berufstätigkeit und vor allem während der Corona-Zeit absolvierte sie Fernstudiengänge in psychologischer Beratung, NLP (Neuro-Linguistischem Programmieren) und kreativem Schreiben. «Ich spürte aber, dass mir das Schreiben mehr liegt als die Beratung.» Und so entstanden weitere Bücher wie «Das A.N.K.E.R.-Schema», «Lu’s Seelenreise», «Bilder für die Seele» und «Chez Lucille». «Single Ü50 – Und jetzt?» entstand in nur zwei Monaten. «Ich brannte darauf, dieses Buch zu schreiben», erinnert sie sich. «Jedes Kapitel schickte ich meiner Schwester und bekam ein Feedback. Das hat mich unglaublich motiviert. Stets hatte ich einen Notizblock bei mir, auf dem ich meine Gedanken festhielt. So entstand Kapitel über Kapitel.» Anfang Februar ist das Buch erschienen, und sie hat bereits fast 70 Exemplare verkauft. «Das Echo ist enorm. Das gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich etwas vermitteln konnte, das den Leuten guttut. Die eigene Würde ist wichtig, sie darf nicht verloren gehen.»
Ü50-Facebook-Gruppe
«Single Ü50 – Und jetzt?» kann bei Amazon bestellt werden und erscheint voraussichtlich im Mai als Hörbuch. Zudem hat Irene Abbassi alias Zoe Winter die Facebook-Gruppe «Ü50 – Und jetzt?» gegründet, der Interessierte beitreten können. Und sie freut sich über persönlichen Kontakt über die Mail-Adresse zoe.winter@gmx.ch.


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