Simon Gribi, wie würden Sie KI Ihren Grosseltern in einem Satz erklären?
Es ist ein Computer, der gelernt hat, ähnlich zu denken, zu sprechen und zu argumentieren wie ein Mensch.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, KI-Kurse anzubieten?
Ich wohne in Volketswil und gehe viel mit Freunden spazieren. Dabei bin ich irgendwann auf das GZ Volketswil gestossen. Es gab Koch-, Sport- und Tanzkurse, aber nichts Technisches. Also habe ich ein E-Mail geschrieben, mich kurz vorgestellt und gefragt, ob Interesse bestünde. Die Reaktion war positiv, und nach einigen Gesprächen wurde der Kurs ins Programm aufgenommen.
Haben Sie ein konkretes Beispiel aus einem Kurs in Erinnerung?
Nach einem Kurs kam ein ehemaliger Elektriker auf mich zu und fragte, ob die KI ihm einen Schaltplan zeichnen könnte. Ich sagte ihm, er solle es einfach eingeben, mit Stromstärke, Watt und Kondensatoren. Die KI hat dann tatsächlich einen Schaltplan gezeichnet, den er als grundsätzlich korrekt eingestuft hat. Solche Momente zeigen, wie breit die Möglichkeiten sind – weit über das hinaus, was man im Kurs normalerweise durchspielt.
Zur Person:
Simon Gribi, 36, ist Teamleiter im Kundendienst eines Fintech- Unternehmens bei Neon/Yuh. 2024 schloss er seinen Bachelor in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt AI-Management ab, aktuell absolviert er ein Masterstudium. Seit August 2025 bietet er im Gemeinschaftszentrum Volketswil KI-Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene an.
In Ihren Kursen sitzen viele Ältere.
Ja. Dafür gibt es vor allem zwei Erklärungen. Das Gemeinschaftszentrum hat generell ein etwas älteres Publikum, das es auch für den sozialen Austausch nutzt. Und Jüngere schnappen KI schlicht im Alltag auf – die brauchen keinen Kurs dafür.
Ältere Menschen gelten als skeptischer gegenüber neuen Technologien.
Das stimmt, und man merkt es deutlich. Jüngere laden alles hoch und verarbeiten auch persönliche Bilder, ohne zu zögern. Ältere Teilnehmende haben sehr viel mehr Respekt vor der Technologie, was ich für wichtig halte. Ich hatte sogar einmal einen Kurs, bei dem ich das Gefühl hatte, ein oder zwei Teilnehmende seien eigentlich der Meinung, KI sei grundsätzlich negativ, und ich hätte jetzt etwas mehr als zwei Stunden Zeit, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Das war aber ein Extremfall. Skepsis ist aber weit verbreitet – und gut so.
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Was lernen Sie selbst von Ihren Teilnehmenden?
Sehr viel. Die Produkte entwickeln sich so schnell, dass ich nicht allwissend bin. Es kommen Fragen, an die ich selbst gar nicht denke. Das eindrücklichste Beispiel: Ein Aussendienstmitarbeiter, knapp 60, erzählte mir, er spreche abends auf dem Heimweg mit dem Copiloten auf Mundart über seinen Arbeitstag, um den Tag zu verarbeiten – fast wie mit einem Gesprächspartner. Ich wusste damals noch nicht, dass der Copilot schon so gut mit Mundart funktioniert. Das war für mich neu.
Was raten Sie jemandem, der noch nie mit KI in Berührung gekommen ist?
Einlesen schadet nicht. Irgendwann muss man es aber einfach ausprobieren – KI ist vor allem Learning by Doing. Wer gar keine Ahnung hat, sollte sich jemanden suchen, der die ersten Schritte begleitet. Danach gilt: Hemmungen abbauen und mit Dingen aus dem Alltag anfangen. Im letzten Kurs habe ich zum Beispiel dieses Szenario durchgespielt: Die Kinder kommen und sagen, nächste Woche soll ein Geburtstagsfest für 30 Personen organisiert werden. Was muss ich beachten, welche Fragen soll ich stellen? Vielen geht dabei ein Licht auf, wenn sie sehen, an wie viele Details die KI denkt.
Wichtig dabei sind Prompts.
Ja, das ist beim Arbeiten mit KI-Chatbots das Entscheidende. Ein Prompt ist eine Anweisung an die Maschine: Was möchte ich für ein Ergebnis? Es gibt keinen schlechten Prompt; wenn das Resultat nicht stimmt, muss man nachschärfen.
Welche Gefahren hat die KI?
Das Thema, das ich am stärksten betone, ist Betrug. Früher erkannte man gefälschte E-Mails an den Schreibfehlern. Heute kann KI eine Nachricht erstellen, die exakt wie eine offizielle Bankmitteilung aussieht – mit dem richtigen Namen des Beraters und allem Drum und Dran. Das sage ich den Teilnehmenden sehr klar. Ein zweiter Punkt betrifft den Datenschutz: Firmen, die KI einsetzen – eine Versicherung oder ein Grossverteiler –, werden ihren Kunden neue AGB schicken. Das bedeutet: Wer diese akzeptiert, erlaubt der Firma möglicherweise, seine persönlichen Daten für KI-Anwendungen zu verwenden. Ich rate den Leuten, genau hinzuschauen, diese Dokumente zu lesen und selbst zu entscheiden, ob sie das wollen.
Sich einmal mit dem Thema KI zu befassen, reicht wohl nicht.
Ja, genau. Man hat im Leben nie ausgelernt – und dieser Satz passt nirgends so gut wie bei der künstlichen Intelligenz. KI verändert sich buchstäblich täglich. Jemand, der in einem halben Jahr wiederkommt, wird Dinge sehen, die ich heute noch gar nicht zeigen könnte. Das soll Motivation sein: Nur weil man einmal da war, ist man nicht fertig. Gerade beim Fortgeschrittenenkurs lohnt es sich, immer wieder vorbeizuschauen.
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