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Klare Mehrheit für Feuerwerksverbot

Erstellt von Damjan Bardak | |   Unsere Zeitung

In einer hitzigen letzten Gemeindeversammlung des Jahres stimmt Volketswil einem Feuerwerksverbot zu, nimmt den Gestaltungsplan «Chappelistrasse» an und genehmigt das erste Budget als Einheitsgemeinde.

«Schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Das ist gelebte Demokratie.» Mit diesen Worten eröffnet Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto die letzte Gemeindeversammlung des Jahres. Das Kultur- und Sportzentrum Gries ist hervorragend besucht; kurz vor Beginn müssen zusätzliche Stühle aufgestellt werden, damit alle Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Platz finden.

«Ich nehme an, Sie sind wegen des ersten Budgets der Einheitsgemeinde gekommen», witzelt Pinto in Richtung des zahlreich erschienenen Publikums. Für viele ist es tatsächlich die erste Gemeindeversammlung, die sie besuchen. Der eigentliche Grund für den Andrang folgt jedoch bereits im ersten Traktandum und sorgt insbesondere bei älteren Personen und Tierfreunden für Furore: die Einzelinitiative «Verbot von lärmigem Feuerwerk».

Zünden verboten

Bisher durfte Feuerwerk in Volketswil ohne Bewilligung in der Nacht vom 1. auf den 2. August sowie an Silvester gezündet werden. Damit ist nun Schluss. Mit 323 zu 77 Stimmen spricht sich das Stimmvolk deutlich für ein generelles Verbot von lärmigem Feuerwerk aus. Bewilligungen sollen künftig nur noch in Ausnahmefällen erteilt werden. Möglich bleibt etwa ein zentrales Feuerwerk an besonderen Anlässen, organisiert durch die Gemeinde.

Für Initiant Michael Grüebler, Grünen Volketswil, überwiegen die negativen Folgen des Feuerwerks deutlich: Umweltbelastung durch Abfall, Lärmemissionen für ältere Menschen sowie Stress für Haustiere. Zudem verweist Grüebler auf das allgemeine Interesse, das Wohl aller Einwohnerinnen und Einwohner zu wahren. Gefeiert werden dürfe an Festtagen selbstverständlich, «aber lieber mit einem Essen im Kreis der Familie oder am Feuer, statt anderen zu schaden». Absolute Perfektion sei kaum erreichbar, doch die Erfahrung zeige, dass sich die meisten Menschen an Gesetze hielten, wenn diese einmal eingeführt seien.

SVP-Sicherheitsvorsteher Thomas Brauch präsentiert hingegen den Antrag des Gemeinderats, die Initiative abzulehnen. «Ein Verbot ist schwierig durchzusetzen, da Feuerwerk spontan, dezentral und anonym gezündet wird», gibt Brauch zu bedenken. Zudem betont er den traditionellen Stellenwert von Feuerwerk in der Schweiz und auch in Volketswil. Bevor sich Wortmeldung an Wortmeldung reiht, bittet er die Anwesenden augenzwinkernd, in der Diskussion «nicht zu explodieren».

Angst vor Lärm und Lichtblitzen

Aus den politischen Reihen meldet sich zunächst Michael Jans (FDP) zu Wort. Er empfiehlt im Namen der Partei, dem Antrag des Gemeinderats zu folgen, um eine «schlanke, aber starke Verwaltung» zu sichern. SVP-Präsident Dejan Malcic warnt vor einem Verlust von Tradition und Kultur. Er erinnert daran, dass auch die Kinder heutiger Generationen einmal Feuerwerk zünden möchten, so wie es die Älteren früher getan hätten.

Zahlreiche Wortmeldungen aus der Bevölkerung zeichnen jedoch ein anderes Bild. Mehrere Bürgerinnen und Bürger berichten von Haustieren, die sich aus Angst vor Lärm und Lichtblitzen versteckten. Andere klagen über besonders laute Böller, die teils sogar in Abfallcontainer geworfen würden. «An Silvester knallt es oft zwei Wochen lang», sagt eine Anwohnerin. «Die lauten ‹Klöpfer› müssen weg.» Besonders stark betroffen sei der Ortsteil Kindhausen. «Gehen Sie einmal in die Siedlungen und nicht nur in Ihre Einfamilienhäuser», entgegnet ein Bürger dem Gemeinderat.

Eine Bürgerin schildert eindrücklich die Folgen von Feuerwerkskörpern: Als Fünfjährige sei ihr eine Rakete ans Bein geschossen worden, ein anderes Mal seien Solarpanels auf ihrem Dach beschädigt worden.

Nach über einer Stunde intensiver Diskussion beantragt ein Bürger den Abbruch der Debatte. Das Stimmvolk folgt und entscheidet sich mit klarer Mehrheit für ein Verbot von lärmigem Feuerwerk. Volketswil reiht sich damit in eine wachsende Zahl von ­Gemeinden ein. In der Region haben Gossau, Schwerzenbach und Wangen-Brüttisellen bereits Einschränkungen beim Abbrennen von Feuerwerk eingeführt. Auch ein Argument wird mehrfach genannt: Ohne Verbot in Volketswil würden wohl viele aus Nachbargemeinden zum Feuerwerkzünden ausweichen.

Grünes Licht für Überbauung

Deutlich weniger emotional, dafür umso technischer präsentiert sich das zweite Traktandum des Abends. Gemeinderat und FDP-Hochbauvorstand Marcel Egloff erläutert den privaten Gestaltungsplan «Chappelistrasse» im Ortsteil Hegnau. Auf dem Grundstück an der Chappelistrasse 2 soll das nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Vielzweckbauernhaus durch eine hochwertige Wohnüberbauung mit mehreren Mehrfamilienhäusern ersetzt werden. Vorgesehen sind zwei Gebäude: ein dreigeschossiger, gestaffelter Baukörper gegen Westen sowie ein zweigeschossiger Solitär entlang der Chappelistrasse.

Der Gestaltungsplan, der aufgrund der Lage im Ortskern erhöhte Anforderungen an Architektur, Städtebau und Lärmschutz erfüllen muss, wurde öffentlich aufgelegt. Einwendungen gingen keine ein. Auch die kantonale Vorprüfung verlief ohne grundlegende Beanstandungen. Eine Mehrwertabgabe fällt nicht an, da durch die Sondernutzungsplanung kein planungsbedingter Mehrwert entsteht. Nach kurzer Diskussion folgt die Gemeindeversammlung dem Antrag des Gemeinderats und genehmigt den privaten Gestaltungsplan «Chappelistrasse» gegen vereinzelte Gegenstimmen.

Zum Abschluss der Traktanden geht es ums Geld und um einen Vorgeschmack auf die neue Einheits­gemeinde. Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto präsentiert als Finanzvorstand das Budget 2026, das erstmals gemeinsam mit der Schule erarbeitet wurde. Weil Volketswil per 1. Juli 2026 zur Einheitsgemeinde wird, ist das Budget bereits für das ganze Jahr als integriertes Gesamtbudget, inklusive der Schulgemeinde, ausgelegt. Unter dem Strich resultiert ein kleiner Ertragsüberschuss von 22 700 Franken bei einem Aufwand von rund 130,0 Millionen und einem Ertrag von rund 130,1 Millionen Franken. Der Steuerfuss bleibt unverändert bei 101 Prozent. In der Debatte spielt neben den ordentlichen Steuern auch der Finanzausgleich eine Rolle: Für 2026 wird mit 23,5 Millionen Franken gerechnet. Zudem ist eine mögliche Rückforderung von Ver­sorgertaxen für Heimaufenthalte im Budget berücksichtigt. Trotz einzelner kritischer Stimmen folgt die Gemeindeversammlung dem Antrag des Gemeinderats und genehmigt das Budget gegen vereinzelte Gegenstimmen.

Damit endet eine Gemeindeversammlung, die den Spagat zwischen Emotion und Verwaltungsvorlage mustergültig hinbekam: Erst wurde über knallende Böller gestritten, dann über Baukörper und Mantel­linien diskutiert und zum Schluss über Millionenbeträge abgestimmt. Viel Demokratie an einem Abend. Und immerhin: Explodiert ist am Ende nur die Wortmeldeliste.

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