«Ich bin kein Partycrasher, aber es hat ein Ausmass angenommen, das nicht mehr tragbar ist», sagt Marco Bitschnau. Der Volketswiler wohnt mit seiner Familie gegenüber der Quartieranlage Kindhausen. «Der Lärm und die Autos sind zu viel, ein ruhiges Wochenende gibt es hier kaum.»
Petition mit drei Forderungen
Anfang Juni hatte Familie Bitschnau endgültig genug und lancierte im August eine Petition. 67 Personen haben das Anliegen seit der Lancierung bis heute unterstützt. Seine Forderungen: Um 22 Uhr soll die Anlage leer sein – an allen Tagen, Aufräumen inklusive. Pro Wochenende soll höchstens ein Anlass stattfinden. Auswärtige sollen die Anlage höchstens 10-mal pro Jahr mieten dürfen. Wichtig ist den Initianten: «Diese Petition richtet sich nicht gegen das Vereinsleben und auch nicht gegen das gemeinsame Feiern.» In den Kommentaren erhält die Petition Zuspruch. «Es ist an den Wochenenden einfach zu laut, das Verkehrsaufkommen ist immens», schreibt ein Unterzeichner. Eine Kindhauserin unterstützt die Massnahmen, «weil sich die Situation in den letzten Jahren verschlechtert hat».
Die Zahlen der Gemeinde sind zwiespältig. 2025 wurde die Anlage 281-mal belegt, meist durch Vereine und Kurse der Gemeinde. 43 Belegungen waren private Anlässe, jedoch davon 40 an Wochenenden. 2026 waren es bis Mitte September 193 Belegungen, davon 28 private – alle bis auf eine an Wochenenden. Dokumentiert ist in beiden Jahren aber nur eine Lärmklage. Bei Anlässen nach 22 Uhr kontrollierte die Securitas zweimal pro Abend. Probleme seien nie rapportiert worden, schreibt die Gemeinde.
Gemeinde will nichts ändern
«Eine Änderung der Vergabepraxis wie auch eine Anpassung der Nutzungsordnung ist nicht vorgesehen», teilt die Gemeindeverwaltung mit. Der Grund: «Eine Vermietung nur noch bis 22 Uhr an Vereine und Privatpersonen würde die Anlagen unattraktiv machen und im Widerspruch zur Leistungsüberprüfung von 2017 stehen. Zudem wären auch Vereine davon betroffen, welche unsere Anlagen grösstenteils nutzen.»
Marco Bitschnau empfindet die Antwort der Gemeinde als «Frechheit». Dass kaum Lärmklagen dokumentiert sind, erklärt er so: «Bisher waren wir der Auffassung, dass wir sehr kulant mit den Mietern umzugehen wissen.» Daraus zu schliessen, es störe niemanden, sei schlicht falsch. Aufgeben kommt für ihn nicht infrage: «Die Petition wird selbstverständlich weitergeführt.»
Ein Nachbar sah es kommen
Warum steht überhaupt eine Quartieranlage mitten im Wohnquartier? Die Antwort liegt im März 1998. Damals bewilligt die Gemeindeversammlung 820 000 Franken für den Bau. Die Anlage sollte dem Dorfverein, weiteren Vereinen aus Kindhausen und den Landeskirchen dienen.
Doch ein Nachbar schlug schon damals Alarm: Laut dem Gemeindeprotokoll warnte er, die in der Vorlage vorgesehenen rund sechs Parkplätze würden bei Anlässen bei weitem nicht reichen. Die Antwort der Gemeinde? «Da die Quartieranlage im Quartier steht, wurde bewusst auf mehr Parkplätze verzichtet», hält das Protokoll fest. Die Idee: kurze Wege, die Kindhauser kommen zu Fuss. Der Kredit ging klar durch.
Fast 30 Jahre später ist genau das der Zankapfel. Wie viele Plätze es heute sind, ist umstritten. Die Gemeinde spricht von mindestens sechs Parkplätzen und von Raum für rund drei weitere Fahrzeuge auf dem Wendeplatz vor der Anlage. Bitschnau zählt anders: fünf reguläre Plätze und einen Behindertenparkplatz. «Einen Wendeplatz gibt es nicht», sagt er. Gemeint sei wohl die Notzufahrt: «Diese hat frei zu bleiben.»
Ruhe statt «Partylärm»
Und noch etwas fällt auf: Ein Behindertenparkplatz ist zwar vorhanden, markiert ist er aber nicht – wer darauf angewiesen ist, erkennt ihn gar nicht. Der Platz sei da, «die Masse sind eingehalten», schreibt die Gemeinde und weist darauf hin: «Wir hatten diesbezüglich noch nie eine Beschwerde.» Bitschnau will sich nun an einen Behindertenverband wenden. Für ihn reichen die Parkplätze ohnehin bei weitem nicht. Die Autos stünden «des Öfteren auf dem Gehsteig und auch bei uns auf den Besucherparkplätzen». Dabei untersagt die Hausordnung Mietern genau das.
Die Parkplatzsituation ist das eine. Wichtiger ist für Bitschnau und die Anwohner die Vergabepraxis: «Ich möchte am Wochenende wieder Ruhe haben und nicht jedes Mal Partylärm vor der Haustür.»




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