Sie kennen bestimmt ganz ähnliche Situationen. Wir sind es uns gewohnt pflichtbewusst und verlässlich zu sein, strukturieren unseren Tag und versuchen Haushalt, Beruf und familiäre Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Und, nebenher sollten wir auch noch ein wenig übers Tagesgeschehen Bescheid wissen, Zeitung lesen und Nachrichtenschauen. Mir passiert’s oft, dass ich während der Tagesschau oder während des 10vor10’s einnicke und eine halbe Stunde später wieder erwache. Eigentlich ein grossartiger Reflex der Natur, genauer gesagt des Körpers. Dieser Reflex ist nichts Anderes als ein «STOPP.» Dieses «STOPP» stellt eine Reizüberflutung dar. Wenn wir einnicken, sinken wir in den Stand-by-Modus. Wir dürfen einfach «sein». Genau vor diesem «Sein» ohne Beschäftigung fürchten wir uns doch. Zeit, die ohne Beschäftigung verrinnt, verbinden wir – mehr oder weniger bewusst – mit einer Lücke. Als Kind hörte ich immer mal wieder den Kurzsatz «Hesch umetrödlet», der verdeutlicht, dass man sich für etwas zu viel Zeit genommen hat, verträumt gewesen ist. Gerade der nahende Frühling birgt, neben allem Schönen, viele Verpflichtungen. Der Frühlingsputz, um nur ein Stichwort zu nennen, lässt bei vielen Hauseigentümern und Schrebergartenbesitzerinnen die Herzen schneller schlagen. Dabei täte es uns doch viel besser einfach mehr Zeit für uns selbst zu haben, draussen zu sein und das Erwachen der Natur bewusst wahrzunehmen und zu geniessen. Auch wir als evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Volketswil möchten dazu beitragen, dass Sie auftanken und völlig zweckfrei Zeit verbringen dürfen. Denn, Stille und persönliche Einkehr, in welcher Form und bei welchem Angebot auch immer, können uns dabei helfen uns besser zu spüren, unseren Alltag bewusster zu leben und ein noch besseres Gleichgewicht zwischen Verpflichtungen und «Lücken» zu finden. In diesem Sinne «Mut zur Lücke.» Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag,
Pfarrer Tobias Günter


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