Wirkliche Offenheit beginnt woanders. Sie beginnt dort, wo mich der andere Mensch ernsthaft interessiert. Wo ich zuhören will, statt schon zu wissen. Das fällt nicht immer leicht, ich gebe es zu. Wir tragen alle unsere festen Vorstellungen mit uns. Und jedes Miteinander bleibt ein Aushandeln und ein Suchen nach dem gemeinsamen Weg. Dass Vielfalt kein Zufall des Glaubens ist, sondern zu ihm gehört, lässt sich schon an den Menschen ablesen, die sich um Jesus scharten. Bodenständige Fischer und ein Zolleinnehmer, den die meisten verachteten. Ungeduldige Draufgänger und stille Zweifler. Sehr unterschiedliche Leute mit sehr unterschiedlichen Geschichten. Jesus hat sie nicht zuerst über einen Kamm geschoren, er hat sie zusammengerufen, so wie sie waren. Und als aus dem kleinen Kreis später eine Bewegung wurde, ergriff die Begeisterung für Gott gerade nicht eine Handvoll Auserwählter, sondern Menschen aus vielen Ländern und Sprachen, Junge und Alte, Frauen und Männer. Alle waren gemeint. Vielleicht ist Offenheit deshalb nichts, was man einmal besitzt und dann abhaken kann, wie ein Dach über dem Kopf. Sie entscheidet sich jeden Tag neu, im Kleinen, in der Art, wie wir einander begegnen. Sie fragt nicht zuerst: Passen Sie zu uns? Sondern: Was bringen Sie mit? Das ist weniger ein Zustand als ein Weg, den wir miteinander gehen, mal zuversichtlich, mal stolpernd. Aber ein Weg, der sich lohnt. Denn auf ihm entsteht Raum für Leben, für Vielfalt und für Begegnungen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.
Peter Baldini, Sozialdiakon, reformierte Kirche Volketswil


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