Anmelden | Registrieren

Podiumskampf um sechs Sitze

Erstellt von Tobias Stepinski | |   News

Am Wahlpodium im Parkhotel Wallberg prallten unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft Volketswils aufeinander. Die zehn Kandidierenden diskutierten über Wohnen, Verkehr und Parteilose.

Der Saal im Parkhotel Wallberg ist bis auf den letzten Platz besetzt. Mehr als 200 politisch Interessierte sind zum Wahlpodium erschienen, das der Industrie- und Gewerbeverein Volketswil (IGV) für die Gemeinderatswahlen im März organisiert hat. Die Luft ist spürbar warm. «Etwas mit der Lüftung stimmt nicht», sagt Marcel Mathys, Co-Präsident des IGV, zu Beginn. Kurz darauf greifen Mitarbeitende des Hotels ein und öffnen die grossen Schiebetüren. Kühle, angenehme Luft strömt herein. «Wenn es hitziger wird, öffnen wir noch mehr», sagt Mathys mit einem Zwinkern.

Danach übernimmt die Moderatorin Isabel Schorer das Wort. In der Mitte der Bühne stehend, flankiert von jeweils fünf Kandidierenden links und rechts, erklärt sie das Format des Abends. Entschuldigt ab­wesend ist Sarah Fischer (parteilos), die nicht teilnehmen kann. Schorer stellt Behauptungen in den Raum, die aus gesellschaftlichen Debatten, Leserbriefen und Gesprächen entstanden sind. «Es ist nicht meine Meinung», hält sie fest. Neben den Wortmeldungen auf dem Podium erhält auch das Publikum Gelegenheit, den Kandidierenden direkt Fragen zu stellen. 

Moderatorin Isabel Schorer eröffnet die erste Runde mit der Behauptung, Volketswil biete gutes Wohnen, liefere aber wenig Inspiration zum Leben. Sabrina Montilla-Ariano (parteilos) stimmt zu: «Begegnungsorte fehlen. Das trägt viel dazu bei, ob man gerne hier lebt oder nicht.» Michael Läubli (GLP) knüpft daran an: «Begegnungsorte kann man schaffen, aber sie müssen auch von der Bevölkerung gelebt werden.»

Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) richtet den Blick auf den Wohnungsmarkt und die strukturellen Hürden: «Der Mix stimmt nicht ganz. Wir haben viele Leute, die Wohnungen suchen, auch im höheren Segment – die findet man in Volketswil kaum.» Gleichzeitig gebe es Siedlungen, die man gerne weiterentwickeln würde. «Dann kommt der Kanton oder der Denkmal- und Heimatschutz und sagt, es gehe nicht.»

Wie Volketswil wachsen soll

Die nächste Behauptung lautet, wirtschaftliches Wachstum finde nur dort statt, wo Entwicklung konsequent vorangetrieben werde. James Frei (parteilos) sagt dazu: «Wir hören oft den Menschen zu, aber wir verstehen sie zu wenig. Es braucht Rahmenbedingungen für Investoren und für Menschen, die hier leben wollen.» Michael Läubli (GLP) erinnert daran, dass Entwicklung Zeit brauche: «Man hätte früher anfangen müssen, aber wir sind jetzt dran.» Entscheidend sei dabei der Gesamtblick: «Die Wirtschaft braucht Rahmenbedingungen. Dafür braucht es eine Gesamtschau durch den Gemeinderat – und da sind wir dran.»

Dejan Malcic (SVP) fordert mehr Verbindlichkeit: «Unternehmen kommen nur dorthin, wo sie wissen, wie die Zukunft aussieht. Wir haben viele Visionen, aber wenig klare Ziele.» Marcel Egloff (parteilos) hält dagegen und verweist auf die Abläufe: «Ein kommunaler Richtplan braucht Zeit. Es gibt Vernehmlassungen, kantonale Vorgaben und Abhängigkeiten. Man kann nicht einfach reinschiessen.» Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) räumt ein, dass man früher hätte beginnen müssen: «Wenn wir das vor 20 Jahren gemacht hätten, wie zum Beispiel in Schlieren, wären wir heute an einem ganz anderen Ort.» Gleichzeitig betont er: «Es ist nie zu spät, jetzt gehen wir das an.»

Mobilität der Zukunft

Ein wiederkehrendes Thema ist der Verkehr. Michael Grüebler (Grüne) kritisiert: «Wir planen immer noch fürs Auto. Dabei hat sich die Welt ­verändert.» Karin Ayar (parteilos) spricht vom Spagat: «Das Auto ist wichtig, aber wir müssen gleichzeitig den ÖV, den Langsamverkehr und sichere Fusswege stärken.»

Aus dem Publikum kommt eine konkrete Frage zum Ausbau von Kantonsstrassen und zentralen Knotenpunkten. Dejan Malcic (SVP) sagt: «Ja, das steht so im Richtplan, aber es wird einfach nichts gemacht.» Ayar hakt nach: «An welchen Knotenpunkten? Sag mir konkret, wo dieser Ausbau entstehen soll.» Sie kritisiert, trotz mehrfacher Nachfragen keine konkreten Antworten von der SVP ­erhalten zu haben. Malcic entgegnet: «Ich bin noch nicht im Gemeinderat, das ist Aufgabe der Exekutive. Wir haben Einsprachen gemacht, aber nie eine Antwort erhalten.» Schorer beendet die kurze Diskussion schliesslich mit den Worten: «Klärt das doch nachher bei einem Glas Wein.»

Parteilosigkeit polarisiert

Eine weitere Behauptung sorgt auf dem Podium für deutliche Reaktionen: Parteimitglieder würden Farbe bekennen, Parteilose dieser ausweichen. James Frei (parteilos) widerspricht: «In der Politik geht es um mehr als Parteiprogramme, es geht um den Menschen. Als Parteilose versuchen wir, Brücken zu bauen und zuzuhören.» Ioana Mattle (GLP) hält dagegen: «Parteizugehörigkeit hilft bei der Einordnung. Man weiss, wo jemand politisch steht.» Marcel Egloff (parteilos), früher FDP-Mitglied, sagt: «Ich habe meine Haltung nicht abgelegt, nur weil ich parteilos bin. In der kommunalen Politik zählt die Sachfrage.»

Matthias Buob (FDP) betont den Orientierungswert von Parteien für die Wählerschaft: «Gerade wenn man Personen nicht gut kennt, gibt eine Partei eine Leitlinie. Das fehlt bei Parteilosen.» Sabrina Montilla-Ariano (parteilos) weist die Kritik ­zurück: «Wer einmal einen Wahlkampf gemacht hat, weiss, wie alleine man dasteht. Wir bekennen sehr wohl Farbe.»

Volketswil in vier Jahren

In der Abschlussfrage fragt Mode­ratorin Isabel Schorer, woran man in vier Jahren erkennen werde, dass die Kandidierenden im Gemeinderat gewirkt haben. Michael Grüebler (Grüne) sagt: «Daran, dass wir einen Plan haben, wie wir 2050 hier leben und arbeiten wollen.» Karin Ayar (parteilos) verweist auf genehmigte Richtpläne, Infrastrukturprojekte und eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. Ioana Mattle (GLP) hofft auf Fortschritte im Altersleitbild sowie in der Früh- und Spätförderung. Michael Läubli (GLP) sagt, man werde erkennen, «dass viele Projekte angestossen und umgesetzt worden sind».

Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) spricht von finanzieller Stabilität durch Entwicklung. Matthias Buob (FDP) hofft auf «mehr Freiheit und weniger Reglemente». Dejan Malcic (SVP) fordert klare, messbare Ziele. Es brauche weniger Visionen und mehr konkrete Vorgaben, die nachvollziehbar festlegen, wohin sich die Gemeinde entwickeln soll und wie dieses Ziel erreicht werden kann.

James Frei (parteilos) wünscht sich eine positiv gestimmte Bevölkerung und soziale Orte der Begegnung. Sabrina Montilla-Ariano (parteilos) sagt: «Ich hoffe, dass man mir bestätigen kann, dass ich nahe am Volk war und meine Versprechen eingelöst habe.» Marcel Egloff (parteilos) verweist auf konkrete Projekte wie die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung sowie auf laufende Entwicklungen an mehreren Standorten der Gemeinde.

Ob sie ihre Visionen umsetzen können, entscheidet letztlich das Stimmvolk.

Zurück
Die Kommentarfunktion steht nur registrierten und angemeldeten Nutzern zur Verfügung. Zum Login.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!