Mit Abfallgreifer und Kübelsack ausgestattet machen sich Nicole Jezler und Tina Walker in der Regel einmal wöchentlich auf den Weg und sammeln in ihrem Wohngebiet Abfall ein. «Oft sind es Zigarettenstummel», berichten sie. Aber auch Raben tragen zum Littering bei, indem sie auf der Suche nach etwas Fressbarem Kübelsäcke aufreissen und den Abfall verzetteln. «Wir lasen in der Zeitung vom Projekt Raumpatenschaft der Gemeinde und fanden das eine gute Sache.» Seit bald drei Jahren sind sie nun dabei und erleben auf ihren Rundgängen meist positive Rückmeldungen. «Die Leute fragen nach, loben unseren Einsatz und bedanken sich sogar», so Nicole Jezler. «Zwar hört man manchmal auch blöde Sprüche, aber wir sind überzeugt, dass unser Einsatz die Leute zum Nachdenken anregt und sie sich das nächste Mal vielleicht zweimal überlegen, ob sie die abgebrannte Zigarette auf den Boden werfen sollen. Man kann ja auch mobile Aschenbecher für unterwegs mitnehmen. Die bekommt man bei der Gemeinde sogar gratis.»
Die Umwelt geht alle etwas an
«Die Leute sollten mehr sensibilisiert werden, was sie mit den Zigarettenstummeln auf dem Boden anrichten», sagt Tina Walker. «Jeder Zigarettenstummel verseucht das Grundwasser erheblich und ist nur schwer abbaubar. Das gefährdet viele Lebewesen im Boden und im Wasser. Mikroplastik und Aludosen im Wasser und auf den Feldern sind ebenfalls kritisch für die Tiere. Darauf sollte man auch in der Schule mit eindrücklichen Bildern hinweisen. Die Kinder sollen sehen, wieso sie den Abfall nicht auf den Boden werfen sollen.» Umwelterziehung muss im Elternhaus und an der Schule stattfinden, sind die beiden Raumpatinnen überzeugt. «Die Eltern leben vor, wie man Abfälle korrekt entsorgt. Unsere Kinder kommen auf unseren Rundgängen auch manchmal mit und sehen so, was alles auf die Strasse geworfen wird. Aber leider sind manche Leute zu bequem, Abfall zu entfernen – sie machen es nicht einmal vor der eigenen Haustür. Und einige sind wohl der Meinung, das sei Aufgabe der Strassenreinigung, schliesslich bekämen sie auch Lohn dafür.» Nicole Jezler und Tina Walker bekommen keinen Lohn für ihre Freiwilligenarbeit. Aber einmal pro Jahr werden alle Raumpatinnen und Raumpaten zu einem Dankes-Apéro eingeladen. Die Gemeinde Volketswil hat das Projekt Raumpatenschaften im Kampf gegen Littering ins Leben gerufen. Dabei übernehmen Interessierte, seien es Einzelpersonen, Familien, Schulen oder Vereine, die Verantwortung für ein festgelegtes Gebiet und befreien dieses regelmässig von Abfall. Die Gemeinden unterstützt sie mit Arbeitsmaterialien wie Sicherheitswesten, Greifzangen, Handschuhen und Gebührensäcken und entsorgt den gesammelten Müll. Über 20 Raumpatinnen und Raumpaten sind zurzeit in Pärken, auf Spielplätzen und an Strassen unterwegs und sorgen für Sauberkeit.
Ein verbreitetes Problem
Littering ist im ganzen Kanton Zürich ein zunehmendes Problem. Überbeanspruchung öffentlicher Räume, veränderte Ess- und Konsumgewohnheiten sowie Bequemlichkeit und Ignoranz werden von Wissenschaftlern als Ursachen genannt. Littering verursacht gemäss einer 2010 verfassten Studie des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) schweizweit jährlich zusätzliche Reinigungskosten von rund 200 Millionen Franken. 75 Prozent der Kosten entfallen dabei auf die Gemeinden und 25 Prozent auf den öffentlichen Verkehr. 54 Prozent des Abfalls sind Getränke- und Esswarenverpackungen und stattliche 36 Prozent Zigaretten. Im Kampf gegen das Littering führen immer mehr Gemeinden im Kanton Zürich wie Volketswil Raumpatenschaften ein. Sie tragen wesentlich zu einer saubereren und lebenswerteren Umwelt bei. «Unsere Aktion bewirkt auch etwas bei den Leuten», sagt Tina Walker. «Jeder kann im Kleinen etwas für die Umwelt tun und beisteuern, was er kann. Aber man muss sensibilisiert werden und wissen, wieso es wichtig ist.» «Das Abfallsammeln kann auch Spass machen», fügt Nicole Jezler hinzu. «Man ist im Freien unterwegs, kann plaudern und kommt in Kontakt mit der Bevölkerung.»
Wer sich für eine Raumpatenschaft interessiert, meldet sich bei Sandra Zimmermann, Sachbearbeiterin Abfall, Telefon 044 910 23 54 oder sandra.zimmermann@volketswil.ch.


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