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Sabbat – wenn die Seele wieder atmen lernt

Erstellt von Roland Portmann, reformierter Pfarrer | |   Unsere Zeitung

Der Sommer lädt zum Verreisen ein. Die einen zieht es ans Meer, andere in die Berge oder in den eigenen Garten. Aber Ferien allein garantieren noch keine Erholung. Man kann tausend Kilometer weit wegfahren und sie doch mitnehmen: die Sorgen, den Termindruck, die ständige Erreichbarkeit, das Gefühl, nie gut genug zu sein. Vielleicht brauchen wir deshalb mehr als Ferien. Wir brauchen Sabbat.

Der Sabbat ist eine der schönsten Gaben der Bibel. Noch bevor Gott den Menschen einen Auftrag gibt, schenkt er ihnen einen Ruhetag. Das ist bemerkenswert. Nicht die Arbeit steht am Anfang, sondern die Ruhe. Nicht die Leistung, sondern die Zusage: Du darfst einfach sein. Diese Botschaft ist heute aktueller denn je. Wir leben in einer Zeit, in der vieles nach Effizienz bewertet wird. Das Smartphone kennt keine Öffnungszeiten. Nachrichten erreichen uns rund um die Uhr. Selbst die Freizeit wird optimiert. Wir sammeln Schritte, messen Schlaf, planen Erlebnisse und vergleichen unser Leben mit den Bildern anderer. Der Sabbat setzt einen anderen Akzent. Er erinnert uns daran, dass der Mensch nicht für die Arbeit geschaffen wurde, sondern die Arbeit für den Menschen. Er lädt uns ein, das Hamsterrad zu verlassen und wieder zu entdecken, was uns wirklich trägt. Sabbat bedeutet nicht Faulheit. Sabbat ist Vertrauen. Vertrauen darauf, dass sich die Welt auch ohne unser ständiges Eingreifen weiterdreht. Vertrauen darauf, dass Gott uns trägt, selbst wenn wir loslassen. Wer den Sabbat feiert, erkennt und bekennt: Ich bin mehr als das, was ich leiste. Vielleicht beginnt Erholung mit etwas ganz Einfachem: einem langen Gespräch, einem Spaziergang ohne Ziel, dem Duft des Waldes nach einem Sommerregen, dem Lachen eines Kindes oder der Stille einer Kirche – unsere sind dafür beide sehr geeignet. Es sind oft die unscheinbaren Momente, in denen die Seele wieder atmen lernt und Gott uns neu begegnet. Jesus sagte einmal: «Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.» Diese Einladung gilt bis heute. Sie richtet sich nicht nur an Menschen, die erschöpft sind, sondern an uns alle. Denn jeder Mensch braucht Zeiten, in denen er nicht funktionieren muss, sondern einfach leben darf. Ich wünsche Ihnen in diesem Sommer nicht einfach schöne Ferien. Ich wünsche Ihnen Sabbat. Zeiten, in denen der Kalender schweigt, das Herz ruhig wird und Gottes Gegenwart spürbar ist. Denn wer sich von Gott beschenken lässt, kehrt nicht nur ausgeruht zurück. Er kehrt oft auch dankbarer, gelassener und mit einem neuen Blick auf das Wesentliche in den Alltag zurück. Schöne Ferien und viel Sabbat wünscht Ihnen Pfarrer Roland Portmann.

PS: Im Deutschen wird Sabbat oft mit Ruhetag übersetzt. Doch diese Übersetzung greift eigentlich zu kurz. Der Sabbat ist mehr als Freizeit oder Ferien. Er ist eine von Gott geschenkte Zeit, in der der Mensch nicht leisten muss, sondern einfach sein darf.

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