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Schenken und Zurückbekommen

Erstellt von Peter Baldini, Sozialdiakon, reformierte Kirche | |   Unsere Zeitung

«Ich würde mich gerne freiwillig engagieren, aber ich weiss nicht, ob ich alles dafür mitbringe.» Eine junge Frau sitzt mir gegenüber, die Hände um den Kaffeebecher gelegt, den Blick ein wenig gesenkt.

Sie hat von einem Angebot gehört, das sie interessiert, und überlegt schon eine Weile, ob sie sich melden soll, um da mitzumachen. Und nun ist sie da. Ich spüre, wie viel Überwindung sie dieser Schritt gekostet hat. Und gleichzeitig spüre ich, wie sehr ich mich über ihr Kommen freue. Was dann folgt, ist selten eine grosse Geste. Es ist ein Ja. Ein stilles, mutiges Ja zu einer Aufgabe, zu einer Gemeinschaft, zu einem Menschen. Und dieses Ja verändert etwas auf beiden Seiten. Die Vereinten Nationen haben 2026 zum internationalen Jahr der Freiwilligen ausgerufen. In der Schweiz steht es unter dem Motto: «Freiwilliges Engagement gibt dir immer etwas zurück» – ein Satz, der auf den ersten Blick überraschen mag. Schenken und Zurückbekommen zugleich? Aber wer je freiwillig tätig war, weiss: Ja, genau so ist es. Die Bibel kennt diesen Gedanken. Im Römerbrief erinnert Paulus daran, dass jeder Mensch Gaben in sich trägt und dass diese Gaben zur Entfaltung kommen, wenn sie in den Dienst der Gemeinschaft gestellt werden. Nicht als Pflicht, sondern als Ausdruck dessen, wer wir sind und was wir einander bedeuten können. Denn auch wer Hilfe annimmt, gibt etwas Kostbares zurück: das Gefühl, gebraucht zu werden, einen Unterschied zu machen, wirklich gesehen zu sein. In Volketswil erlebe ich das täglich. Menschen, die sich einbringen  – nicht weil sie müssen, sondern weil ihnen etwas an anderen liegt. Und Menschen, die dankbar empfangen, was ihnen geschenkt wird. Beides zusammen ergibt etwas, was allein nicht möglich wäre: Gemeinschaft. Dankbarkeit braucht dafür keine grossen Worte. Manchmal ist es ein aufrichtiger Blick, ein Lächeln, ein einfaches «Danke, dass du da bist», und es reicht vollkommen. Darum: Danke an alle in Volketswil, die ihre Zeit und ihr Herz einbringen. Sie machen unsere Gemeinde zu dem, was sie ist. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag,

Peter Baldini, Sozialdiakon, reformierte Kirche

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