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Steven Mack

Erstellt von Karin Steiner | |   Unsere Zeitung

Mit «Der Goldfahrer» ist das zweite Buch über das Leben von Steven Mack erschienen, dem Extremsportler, der bei einem verunglückten Pendelsprung von der Ganterbrücke 150 Meter in die Tiefe stürzte und dabei sein Augenlicht verlor. Diesmal zeichnet er selbst als Autor verantwortlich.

«Seit dem Unfall habe ich immer geschrieben, die letzten drei Jahre intensiv», erzählt Steven Mack. «Dann habe ich angefangen, alles zu einem Buch zusammenzufügen.» Im 2012 erschienenen Buch «Der Blindgänger – das gewagte Leben des Steven Mack» schildert Autor Niels Walter, wie der Extremsportler aus Volketswil, der stets auf der Suche nach dem Adrenalinkick war, nach dem schweren Unfall, durch den er erblindete, zurück ins Leben fand. «Der Goldfahrer – das neue Buch des Blindgängers» ist Ende Juni erschienen. «Dieses Buch ist emotionaler, intimer, zeigt meine inneren Stürme, handelt vom Zugfahren und von Umsteigen.»

Begegnungen und Erlebnisse im Zug

Für Steven Mack, der heute in Adelboden wohnt, gehört das Zugfahren zum Alltag. Dabei begegnet er Menschen, kommt mit ihnen ins Gespräch und erfährt von ihren Sorgen, Schwächen und Ängsten, die andere Zugreisende, die sich gewöhnlich die Zeit mit ihren Smartphones vertreiben, nie vernehmen würden. «Das liegt vor allem daran, dass ich auf die Leute zugehe und den Dialog suche», erzählt er. «Viele Jahre war ich mit der ‹Goldkarte›, das ist ein SBB-Begleitausweis für Menschen mit Beeinträchtigungen, unterwegs. Sie berechtigt in Begleitung einer Person mit Ticket zur Gratisfahrt. Also suchte ich eine Begleitperson für die Fahrt. Diese wusste jedoch nichts von meinem Trick. Aber heute bin ich mit dem GA unterwegs», fügt er schmunzelnd hinzu. Dass sich die Menschen ihm gegenüber oft öffnen und über intime Gedanken berichten, liegt seiner Meinung nach an seiner Blindheit. «Meine Schwäche können alle Menschen sehen. Aber ich kann sie nicht sehen, sie bleiben anonym. Sie getrauen sich eher, ihre Schwächen zuzugeben.» Ein Kurde habe ihm zum Beispiel erzählt, wie er als Kind miterleben musste, wie seine Mutter erschossen wurde. Eine Frau erzählte, es gehe ihr so schlecht, dass sie sich bei Exit angemeldet habe. «Auch schon wurde ich bestohlen. Ein Mann neben mir bot mir Kokain an. Er erzählte, dass er mit seinen 24 Jahren schon viermal im Knast war, unter anderem wegen eines Messerangriffs. Das war eher ungemütlich für mich. Man weiss nie, mit wem man es zu tun hat. Danach fehlte mein Rucksack.»

Ein Leben in Bewegung

Steven Mack, der in Volketswil aufwuchs und eine Lehre als Hochbauzeichner absolvierte, hat schon immer ausgefallene Herausforderungen gesucht und gebraucht. Bis zu dem Unglück, als bei einem Pendelsprung von der Walliser Ganterbrücke das Seil riss, er 150 Meter ungebremst in die Tiefe stürzte und wie ein Wunder überlebte, weil ein Baum ihn auffing. «Als ich nach fünf Tagen aus dem Koma aufwachte, wusste ich von nichts. Und bis heute ist die Erinnerung nicht zurückgekehrt.» Der Drang, etwas zu unternehmen und zu erleben, sich im Freien zu bewegen und Sport zu treiben, ist im Laufe der Zeit immer mehr zurückgekehrt. So trainiert er seit drei Monaten mit dem Alpenclub und einer Trainerin für die Paralympics 2028 in Los Angeles. «Rund zehn Blinde können sich qualifizieren», erzählt er. «Ich nahm Mitte Juni am Weltcup in Innsbruck teil und wurde Elfter. Ich muss noch üben, es wäre cool, wenn ich es schaffen würde. Aber es gibt halt viele Ziele, die ich nicht erreichen kann.» Auch Fahrradfahren gehört zu seinen Hobbys – nicht etwa auf dem Tandem-Fahrrad, das wäre ihm zu langweilig. «Mein Vordermann befestigt eine Jasskarte an den Speichen, die höre ich und folge dem Geräusch, das sie verursacht.» Auch Apnoe-Tauchen, Schwimmen und Krafttraining baut er in seinen Alltag ein. «Es gibt viele Sportarten, die für mich geeignet sind.» Er sei schon öfters allein im Ausland unterwegs gewesen. «Das klappt überall dort, wo es Menschen gibt. Die Welt ist für mich wie ein Hörspiel, ich gehe auf Geräusche ein und kann sie interpretieren.» Da er die Hälfte seines Lebens als Sehender durchs Leben gegangen ist, hat er auch viele Bilder in sich. «Nachts träume ich in bunten Bildern. Deshalb gehe ich auch gerne schlafen. Aber wenn ich aufwache, ist alles wieder schwarz.»

Seine Gedanken und Erlebnisse hat er nun im Buch «Der Goldfahrer» niedergeschrieben. Es ist im Voima-Verlag erschienen und als Hardcover oder E-Book erhältlich (ISBN 978-3-907442-69-2).

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