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Tatort: Bushaltestelle Volketswil-Zentrum

Erstellt von Tarizius Pfiffner, katholische Pfarrei | |   Unsere Zeitung

Erinnern Sie sich? Im November 2024 haben Jugendliche einen Mann an der Bushaltestelle Zentrum angegriffen. Sie fügten ihm mehrere Knochenbrüche im Gesicht zu. Am 24. Mai feiern wir in unseren christlichen Kirchen Pfingsten. 50 Tage nach Ostern schenkt uns Jesus seinen Geist. Mit der Gabe des Heiligen Geistes sind auch Gaben und Haltungen verbunden. Die kath. Kirche kennt deren sieben: Weisheit, Einsicht, Rat – Stärke, Erkenntnis – Gottesfurcht und Frömmigkeit (Jes 11, 2).

Wenn wir um Gottes Geist bitten, ersuchen wir ihn um diese Tugenden. Eine möchte ich ganz besonders hervorheben: die Stärke. Es geht dabei um den inneren Mut und die Kraft, Krisen und Ängste zu bewältigen sowie in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben. Wir Christinnen und Christen sind aufgerufen, in unserem Leben uns mit Mut und Kraft dafür einzusetzen, dass christliche Werte wie Solidarität, Nächstenliebe und Respekt unter den Menschen umgesetzt werden. Nun waren meine Frau und ich über Auffahrt in München. Wir rekognoszierten die ökum. Gemeindereise, welche unsere Volketswiler Kirchen im September durchführen. Wir besuchten die Marienkirche, das Wahrzeichen von München, kauften auf dem Viktualienmarkt Würste ein und verweilten in den drei Pinakotheken. Beim Königsplatz mit dem Ägyptischen Museum stiessen wir auf das NS-Dokumentationszentrum. Mit Filmen, Tafeln und Führungen belegt und erklärt es, was in Deutschland zwischen 1918 und 1950 Schreckliches geschah. Wie konnte ein Menschenverachter wie Hitler einen derart grossen Einfluss auf die Männer und Frauen in Deutschland gewinnen? Aber es gab nicht nur Mitläufer/-innen. Da waren auch noch die Geschwister Scholl und ihre Kollegen/-innen. Sie verteilten Flugblätter und wurden deswegen bestraft. Und dann gab es da noch eine Gruppe, die sich dem Naziregime widersetzte: die Zeugen Jehovas. Ja, genau die, die z. B. in Zürich an der Bahnhofstrasse den «Wachturm» verteilen. Ihre Glaubensbrüder und Schwestern haben den Hitlergruss und den Kriegsdienst verweigert und kamen dadurch in KZ. Der Geist Gottes gab ihnen den Mut und die Kraft, sich für die Gewaltfreiheit einzusetzen und den Krieg abzulehnen. Was hätten wir gemacht in Deutschland in den dreissiger Jahren? Mut hat man nicht einfach. Wer setzt sich schon für andere ein, wenn er sein Gesicht verlieren, sich blamieren könnte? Ist es nicht leichter, nichts zu sagen, nichts zu machen, als zu intervenieren? Was hätten wir im November 2024 bei der Bushaltestelle Zentrum gemacht?

Veni Sancte Spiritus! 

Tarzisius Pfiffner, katholische Pfarrei

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