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Über 11 000 Zigis an einem Morgen

Erstellt von Tobias Stepinski | |   News

Stummel um Stummel: Am Clean-up Day sammelten Freiwillige in Volketswil einen Morgen lang Abfall. Der 85-jährige Gerry räumte den «Zigaretten-Friedhof», Sophie aus Wetzikon fragte: «Sind 3 Meter zum Kübel zu weit?». Schau dir die Bildergalerie und unser Video an.

«Ich weiss, wo ich hin muss», sagt Gerry. Der 85-jährige Volketswiler weiss genau, wo er viele Zigarettenstummel findet. «Hier ist der Zigaretten-Friedhof», sagt Gerry und zeigt beim Sportzentrum Gries auf den Kiesplatz mit den langen Steinbänken. Und tatsächlich, ein kurzer Blick: Unter den Tischen liegen mindestens 25 Zigarettenstummel auf einem Quadratmeter. Gerry ist kein Neuling. Mit seiner Zange sitzt jeder Griff. Stummel um Stummel landet in seinem blauen Wägeli. Auf der einen Seite stapeln sich die Zigarettenstummel, im anderen Fach liegt vergleichsweise wenig.

 

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Wohl Jahrzehnte am Boden

Gerry ist einer von rund 60 000 Freiwilligen, die Mitte Septemberschweizweit am Clean-up Day mitmachten. Zum 14. Mal organisierte die Interessengemeinschaft saubere Umwelt (IGSU) den Aktionstag an über 650 Orten. Auch McDonald's war in über 20 Städten dabei, so auch in Volketswil. Unter dem Motto «zämä für ä suuberi Gmeind» waren die Freiwilligen einen Morgen lang unterwegs. Die Stummel kommen in PET-Flaschen, damit man sie zählen kann, danach werden sie entsorgt.

Dass auf dem Kiesplatz so viele liegen, habe mit dem schönen Sommer zu tun, sagt Gerry. Aber auch damit, dass sich lange niemand darum kümmerte. «Bis ich angefangen habe, hat hier niemand zusammengelesen. Über Jahre, vielleicht Jahrzehnte.» Das ist gut ein Jahr her. «Zum Teil waren die schon ziemlich abgemodert.» Ob ihn der Anblick bedrückt? «Ja, sicher ist es traurig.» Wütend werde er aber nicht mehr. Früher habe ihn das furchtbar aufgeregt, heute nehme er die Gesellschaft, wie sie sei. Und er hat Hoffnung: «Früher war es gefühlt schlimmer. Vielleicht bewegen wir uns in die richtige Richtung.»

«Sind 3 Meter zum Kübel zu weit?»

Auch Sophie ist an diesem Morgen unterwegs. Dass sie in Volketswil Abfall sammelt, hat mit ihrem Arbeitgeber zu tun: Die Firma Mobimo in Küsnacht gibt den Mitarbeitenden einen Tag frei, wenn sie sich für etwas Nachhaltiges engagieren, den sogenannten Nachhaltigkeitstag. In Wetzikon, wo sie wohnt, fand sie keine Aktion für Einzelpersonen. Auf der Website des Clean-up Days wurde sie fündig. «Volketswil war das Nächste zu mir. Und jetzt bin ich da, um zu unterstützen.»

Anders als Gerry ärgert sich die Wetzikerin beim Sammeln. Oft stehe ein Kübel gleich daneben. «Sind drei Meter zum Kübel zu weit?», fragt sie ironisch und zeigt sich enttäuscht: «Ich weiss nicht, wie jemand so mit der Gemeinde umgehen kann, in der er lebt.»

Gratis-Aschenbecher to go

Ähnlich geht es Sandra Zimmermann. Die Sachbearbeiterin Abfall und Assistentin der Abteilungsleitung Tiefbau und Werke der Gemeinde Volketswil organisiert den Clean-up Day vor Ort. Auch sie liest Stummel auf und ärgert sich dabei «einfach über die Leute, die das ohne Gedanken auf den Boden schnippen». Das sei nicht nötig. Die Gemeinde bietet den Sündern die Hand: «Kommt zu uns auf die Gemeinde. Wir verteilen gratis Taschenaschenbecher, in die ihr die Zigarettenstummel tun könnt.»

Kurz vor dem gemeinsamen Mittagessen verkündet Zimmermann vor allen Freiwilligen die nackte Zahl: Über 11 000 Zigarettenstummel sind an diesem Morgen zusammengekommen. Weniger als auch schon. Ob das an weniger Helfenden liegt oder ob sich die Lage gebessert hat, weiss sie nicht. Sicher ist sich Zimmermann dennoch: «Wir werden auch nächstes Jahr wieder Tausende vom Boden auflesen.»

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