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Volketswil erhält ein Wildbieneninventar

Erstellt von Jürg Sommerhalder | |   News

Im Rahmen der Biodiversitätsinitiative erstellt Volketswil ein Wildbieneninventar. Es dient der Beurteilung der ökologischen Qualität unserer Landschaften und hilft dabei, sie gezielt zu erhalten und wo nötig zu Gunsten der Artenvielfalt zu fördern.

Wussten Sie, dass die Honigbiene, der wir unser süsses Sonntagsfrühstück verdanken, nur eine von über 340 Bienenarten ist, die im Kanton Zürich fliegen? Und dass die grosse Bienenvielfalt das Fundament legt für die gesamte Artenvielfalt der Landökosysteme? Seit 120 Millionen Jahren entwickeln sich Blütenpflanzen und Bienen gemeinsam weiter (die Biologie nennt das Koevolution), sodass heute jede Wildblume in unseren Landschaften mindestens eine Biene hat, die sie zu bestäuben weiss. Und weil Obst, Gemüse und Nüsse Produkte von Blütenpflanzen sind, verdanken wir der Bestäubungsleistung der Bienen auch die Vielfalt auf unseren Tellern. Um es mit einem zeitgenössischen politischen Schlagwort auszudrücken: Eine grosse Vielfalt an Bienenarten ist eine wichtige Komponente unserer Ernährungssicherheit. Die Honigbiene alleine reicht dafür nicht aus, denn sie gilt einerseits als grundsätzlich ineffiziente Bestäuberin, zudem vermag sie mit ihrer kurzen Zunge gut ein Drittel unserer Wildpflanzen nicht zu bestäuben. Sie beherrscht auch nicht die Vibrationsbestäubung der Hummeln und einiger Sandbienenarten, die es für die Bestäubung von Pflanzen mit «verstecktem» Pollen wie etwa Tomaten, Auberginen, Peperoni, Kiwi und Blaubeeren braucht. Unter den Wildpflanzen profitieren beispielsweise die Glockenblumen von dieser speziellen Bestäubungstechnik.

Präzisestes Messsystem

Die Spezialisierung vieler Wildbienen auf den Pollen ganz bestimmter Pflanzen, auf spezifische, mikroklimatische Bedingungen und auf unterschiedlichste Nistmaterialien und -strukturen macht die Bienen zu einer der gefährdetsten Tiergruppen unseres Landes. Denn Spezialisierung beinhaltet auch Risiko: Nur Opportunisten vermögen Veränderungen der Umwelt schnell und erfolgreich zu adaptieren, die Spezialisten hingegen verschwinden, wenn ihr Lebensraum verarmt. Im Umkehrschluss bedeuten die hohen Ansprüche der Wildbienen an ihre Umwelt aber auch, dass sie eines der sensibelsten und präzisesten Instrumente zur Bemessung der Gesundheit unserer Ökosysteme sind.

Kanton leistet Support

Dies hat Volketswil erkannt und im Rahmen der Umsetzung der Einzelinitiative zum Schutz und zur Förderung der Artenvielfalt – kurz Biodiversitätsinitiative – beschlossen, ­dieses Jahr ein Inventar der Wild­bienenfauna erstellen zu lassen. Beauftragt wurde der Ex-Volketswiler Jürg Sommerhalder, seines Zeichens Wildbienen-Fachmann. Er wird zwischen April und September unseren Siedlungsraum sowie kommunale Schutzobjekte untersuchen. Das Volketswiler Engagement wird auch vom Kanton honoriert: Um die geplante Erhebung auf Gemeindegebiet abzurunden, finanziert er zusätzlich die Wildbienen-Inventarisierung von acht wichtigen kantonalen Schutzgebieten. Die Studie verspricht differenzierte Erkenntnisse über die ökologische Qualität unserer Landschaften, und sie gibt der Gemeinde ein wichtiges Werkzeug in die Hand, um die Förderung der Artenvielfalt konsequent und gezielt weiterzuführen. Sollten Sie Jürg Sommerhalder in Volketswil begegnen, er ist an seinem grossen Insektenkescher unschwer zu erkennen, scheuen Sie sich nicht, ihn anzusprechen: Er wird sein Fachwissen und seine Leidenschaft für die Bienen und ihre Geschicke gerne mit Ihnen teilen. Und falls Sie über einen privaten Naturgarten verfügen, den Sie hinsichtlich seiner Wildbienengesellschaft gerne untersucht hätten, schreiben Sie ihn unter der Mailadresse juerg@terra-typica.ch an. Er wird in der Folge einen Begehungstermin mit Ihnen vereinbaren. Im kommenden Winter/Frühjahr 2027 wird Sommerhalder seine Erkenntnisse im Rahmen eines öffentlichen Vortrags präsentieren. Den Vortragstermin wird die Gemeinde rechtzeitig bekannt geben.



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