Lange mussten sich die Mitglieder des Industrievereins gedulden. Der letzte physische Austausch im «Wallberg» fand am 17. Januar 2020 statt, erinnerte die IVV-Präsidentin Nicole Steiger die zahlreich erschienenen Gäste. Während der Pandemie-Zeit hatte der Gemeinderat die Gelegenheit genutzt, um sich mit der Positionierung Volketswils zu befassen. Über die daraus hervorgegangenen Erkenntnisse, Massnahmen und Ideen informierten nun der Gemeindepräsident und die Hochbauvorsteherin aus erster Hand die Vertreter der lokalen Industriebetriebe.
Wenn man den Gemeindepräsidenten Jean-Pillippe Pinto fragt, wie Aussenstehende über Volketswil denken, erhält man folgende Antwort: Volketswil werde als Agglogemeinde wahrgenommen. Aber «Agglo» sei heute nicht mehr per se ein negativ behafteter Begriff. So habe der Standort Volketswil viele Vorteile. Man sei schnell am Flughafen und in den Städten Zürich und Winterthur. Pinto brachte zusammenfassend auf den Punkt, wo derzeit der Schuh drückt: «Wir sind in einer Topregion, profitieren aber noch zu wenig davon. Wir müssen unsere Stärken nach aussen besser kommunizieren.»
Erstmals erscheine auch der Begriff «urban» im offiziellen Wortlaut der Gemeinde. Früher habe man immer vom Dorf gesprochen. «Mit 19 000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind wir heute kein Dorf mehr.» Deshalb habe sich der Gemeinderat in einem mehrstufigen Prozess auf einen neuen Leitsatz geeinigt: «Volketswil ist dank seiner urbanen Qualitäten und seines starken Bezugs zur Natur begehrt als Wohnort und Standort für zukunftsfähige Unternehmen.»
Entwicklungschancen bieten
Der Weg zum Ziel werde aber zur Herkulesaufgabe werden. Dass Volketswil als Shoppingparadies gelte, sei zwar bequem für die Bevölkerung, die vor der Haustür sämtliche Einkäufe erledigen könne. Die Schattenseite davon seien aber die Lasten, welche die Branche in den Bereichen Soziales, Verkehr und Littering generiere. Auch der fehlende Bahnhof habe sich in zwei Fällen, in denen es darum ging, neue Firmen anzusiedeln, negativ ausgewirkt. «Wir müssen Entwicklungschancen bieten und unsere Gemeinde besser positionieren», betonte Pinto.
Zürichstrasse aufwerten
Der Gemeinderat hat dazu einen Massnahmenplan verabschiedet, der unter anderen die Prüfung einer Stelle für Standortförderung, eine Wirtschaftsanalyse sowie eine Vorabklärung zu den Handlungsmöglichkeiten an der Zürichstrasse beinhaltet. Zur letzteren Massnahme meinte Pinto: «Wer heute von Dübendorf nach Hegnau fährt, wird nicht gerade mit einem attraktiven Anblick empfangen. Wir hoffen, dort etwas Städtebauliches zu realisieren, dies im Idealfall in Kombination mit der Entwicklung des Flugplatzes Dübendorf.» Eine weitere Herausforderung ist das ehemalige Waro-Areal, das jüngst als illegales Partylokal in die Schlagzeilen geraten war. Die Gebäudebesitzerin Post plane dort ein neues Logistikzentrum. «Ein richtiges Leuchtturmprojekt», so Pinto. Gleichzeitig mahnte er, dass dadurch der Druck auf den OBI-Kreisel steigen würde. Im Angesicht des zu erwartenden Lkw-Mehrverkehrs sei es unerlässlich, dass die Projektierung der Neuen Greifenseestrasse weiterhin im kantonalen Richtplan verbleibe. Der Gemeinderat erhofft sich auch neue Nutzungen für die «nicht gerade schönen» Brachen im südlichen Teil der Industriestrasse. Konkret sollte dort einst «Wohnen am Bahngleis» möglich sein, ähnlich wie beim Bahnhof Stettbach.
Nasa kennt Volketswil
Letztendlich gehe es bei allen festgelegten Massnahmen darum, die derzeit unterdurchschnittliche Steuerkraft Volketswils zu verbessern. Dass dies möglich sei, habe die Stadt Schlieren gezeigt. Vor 15 Jahren sei man dort die Probleme angegangen mit dem Resultat, dass heute die Steuerkraft höher sei. Pinto wünschte sich noch mehr innovative Unternehmen für Volketswil, wie die Firma Scheurer Swiss GmbH, Zulieferer für die amerikanische Raumfahrtbehörde. «Bei der Nasa in den USA sind wir bekannt.»
Eintunnelung der Autobahn
Wo sich solche «zukunftsfähige Unternehmen» ansiedeln können, zeigte im Anschluss die Hochbauvorsteherin Regina Arter auf. Im Gemeindegebiet gibt es noch 48 Hektaren Baulandreserven, die meisten Flächen liegen an der Industriestrasse, im Areal Milandia Nord, in der Hard sowie an der Zürichstrasse im Juch. In Zukunft soll auch der 1,78 Kilometer lange Abschnitt der Autobahn überdeckt werden. Die Eintunnelung würde nicht nur zusätzliche Flächen generieren, sondern würde auch die einst dadurch getrennte Gemeinde wieder zusammenführen.


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