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Vor ihren Spürnasen sind keine Drogen sicher

Erstellt von Tobias Stepinski | |   News

Was dem menschlichen Auge entgeht, erschnüffeln sie sofort: Diensthunde Finja und Haze spüren am Flughafen Zürich sämtliche Betäubungsmittel auf. Ein Blick hinter die Kulissen des Diensthundetrainings.

Fluggäste schieben ihre Rollkoffer über den Boden, Menschen strömen durch den grünen Ausgang «Nichts zu verzollen». Finja lässt das kalt. Die 11-jährige Diensthündin arbeitet konzentriert. Unter Anleitung ihres Hundeführers wird sie von Person zu Person und von Gepäckstück zu Gepäckstück geführt. Für jede Kontrolle braucht sie nur wenige Sekunden.

Etwas abseits beobachtet Susanne*, Equipenchefin und Diensthundeinstruktorin beim Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), das Training. Sie ist für die Diensthunde am Flughafen Zürich verantwortlich. «Am Flughafen hast du alles gleichzeitig», sagt sie. «Viele Menschen, unzählige Gerüche, laute Geräusche von Flugzeugen und Rollkoffern. Das ist selbst für einen erfahrenen Hund sehr anstrengend.»

Nur wenige Sekunden

Die Reaktionen der Reisenden sind unterschiedlich: Einige lächeln, andere wirken angespannt und weichen leicht zurück. Vor allem Kinder erschrecken kurz. «Entscheidend ist, dass der Hund jederzeit unter Kontrolle ist», sagt die Equipenchefin. «Darum trainieren wir nicht nur die Hunde, sondern auch die Hundeführerinnen und -führer.»

Dann nähert sich ein Mann mit Brille und einer schwarzen Umhängetasche. Finja interessiert sich für die Tasche, schnuppert, tippt mit der Nase dagegen – Anzeige. Das Klicken ertönt, der Hundeführer greift zum Handtuch, Finjas Spielzeug. Die Hündin springt an, wedelt, packt zu. Ein Volltreffer: In der Tasche befinden sich Betäubungsmittel. Beim Mann handelt es sich um einen BAZG-Mitarbeitenden, der für das Training entsprechend ausgerüstet wurde.

Der Ablauf wird mehrmals wiederholt. Es ist ein Trainingstag – auch für die Diensthunde Haze und Bailey. Einige Meter weiter steht Beat*, technischer Leiter Diensthundewesen Zoll Nordost. Seit 27 Jahren arbeitet er beim BAZG, rund 20 davon im Diensthundewesen. Was für Aussenstehende nach Routine aussieht, sei das Resultat jahrelanger Arbeit.

«Vor dem Einsatz erhält der Hund ein anderes Halsband. Das ist für ihn das Signal, dass jetzt gearbeitet wird», erklärt Beat. Der relevante Geruch wird gezielt mit einer Belohnung verknüpft, der Klick markiert den Moment der Anzeige.

In Beats Region betreuen die Teams 16 Diensthunde in den Kantonen Zürich, Thurgau und Schaffhausen inklusive Flughafen Zürich. Fünf Instruktorinnen und Instruktoren bilden sie aus. Die Ausbildung beginnt im Welpenalter, dauert rund 20 Monate und wird laufend ergänzt. Die Hunde leben bei ihren Hundeführerinnen oder -führern und sind Teil der Familie. Unterschieden wird zwischen Spürhunden und Kombihunden, viele erfüllen mehrere Aufgaben. Das Pensionsalter liegt meist zwischen 10 und 12 Jahren.

Nase auf dem Band

Ein Teil der Ausbildung findet im Kompetenzzentrum des BAZG in Interlaken statt, der Rest im Alltag. «Die Ausbildung endet nie», sagt Beat. «Auch nach Feierabend wird trainiert.»

Hinter den Kulissen folgt der nächste Trainingsort. Im Gepäckraum laufen Koffer über das Förderband. Finja springt darauf und sucht nach Betäubungsmitteln. «Hier!», «Weiter!», «Dort!» – kurze Kommandos, Sekundenarbeit. Dann hebt sie die Schnauze: Anzeige. Das Klicken ertönt, Finja springt vom Band und beisst genussvoll in ihren «Muff».

Auch dieser Koffer wurde für das Training vorbereitet. Reale Funde gehören dennoch zum Alltag: 2025 stellten die Kantonspolizei Zürich und das BAZG am Flughafen über 3,8 Tonnen Betäubungsmittel sicher.

Sprung auf die Paketflut

Zum Abschluss trainiert Haze in der Cargo-Logistik. Kartonpakete stapeln sich, dazwischen ein präpariertes Paket. Der Hundeführer prüft den Untergrund, Haze springt hoch, hält das Gleichgewicht und schnüffelt weiter. Nach wenigen Sekunden zeigt er an.

Danach ist Mittagspause. Draussen beim Auto legen sich die Hunde hin. Die Arbeit verlangt hohe Konzentration, besonders für den Geruchssinn. Auf die Frage, wer nach einem solchen Ausbildungstag müder sei, lacht der Hundeführer, blickt zu Finja und sagt: «Sie – das ist auch logisch.»

*Aus Datenschutzgründen werden nur die Vornamen der Personen genannt.

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