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Warum diesmal mehr Menschen wählen gingen

Erstellt von Tobias Stepinski | |   Unsere Zeitung

Bei Wahlen bleibt häufig ein grosser Teil der Stimmberechtigten fern. In Volketswil und umliegenden Gemeinden zeigte sich diesmal jedoch ein anderes Bild. Woran das lag und welche Faktoren die Beteiligung beeinflussen.

Wahrscheinlich liegen in vielen Haushalten noch Wahl- oder Abstimmungscouverts herum: ungeöffnet, halb ausgefüllt oder schlicht vergessen. Spätestens jetzt wandern die letzten in den Papierkorb. Dieses Bild zeigt gut, wie es um die Wahlbeteiligung in vielen Gemeinden steht.

In Opfikon, Volketswil und Wallisellen geht bei Gemeindewahlen oft nur jede vierte oder sogar nur jede fünfte stimmberechtigte Person an die Urne. In Volketswil lag die Beteiligung bei den Erneuerungswahlen 2022 bei etwa 24 Prozent. In Opfikon beteiligten sich 2018 und 2022 jeweils gerade einmal 21 Prozent der Stimmberechtigten. In Wallisellen lag die Beteiligung 2018 bei knapp 33 Prozent und 2022 bei rund 27 Prozent.

Dieses Jahr zeigt sich jedoch ein anderes Bild: In Volketswil stieg die Wahlbeteiligung deutlich auf rund 44 Prozent (+20 Prozentpunkte). Auch in Wallisellen nahm sie stark zu und lag bei fast 45 Prozent (+18 Prozentpunkte). In Opfikon stieg sie auf rund 27 Prozent (+6 Prozentpunkte).

Mehr Auswahl mobilisiert

Ein Grund für die höhere Beteiligung dürfte auch in den umkämpften Wahlen liegen. In Wallisellen trat der langjährige Stadtpräsident Peter Spörri nicht mehr zur Wahl an, und mehrere Kandidaten bewarben sich um seine Nachfolge. Zudem wollten neun Personen die sechs Stadtratssitze erobern.

Auch in Volketswil war die Ausgangslage umkämpft: Elf Kandidaten bewarben sich um sechs Sitze im Gemeinderat. Zudem kam es zu einem Zweikampf um das Präsidium. Solche Konstellationen erhöhen die Aufmerksamkeit für Wahlen und können zusätzliche Stimmberechtigte mobilisieren.

Ein weiterer – und wohl entscheidender – Grund dürfte sein, dass gleichzeitig nationale Abstimmungen stattfanden. Themen wie die Halbierungsinitiative oder die Individualbesteuerung mobilisierten zusätzliche Stimmberechtigte. Viele füllten wohl auch gleich ihre Wahlunterlagen aus. Bei den Gemeinderatswahlen 2022 fand an diesem Sonntag hingegen keine nationale Abstimmung statt.

Wer wählen geht und wer nicht

Wer sich an Wahlen beteiligt und wer nicht, folgt oft bestimmten Mustern. «Jüngere, Zugezogene und Personen mit tieferem Bildungsabschluss haben in der Tendenz eine tiefere Beteiligung», sagt die Politikwissenschaftlerin Sarah Bütikofer vom Forschungsinstitut Sotomo. Dazu kommt eine hohe Wohn- und Arbeitsmobilität. «Wer häufig umzieht oder stark pendelt, baut oft weniger enge Bezüge zur lokalen oder kantonalen Politik auf.»

Weitere Studien zeigen: Ältere gehen häufiger an die Urne als jüngere. Zu diesem Schluss kommt auch die Wahlstudie «Selects» des Schweizer Kompetenzzentrums Sozialwissenschaften (FORS) in Lausanne. In der Nachwahlstudie zu den eidgenössischen Wahlen 2019 lag die Beteiligung bei den 18- bis 24-Jährigen bei rund 29 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen bei etwa 33 Prozent. In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen beteiligten sich dagegen rund 61 Prozent der Stimmberechtigten.

Auch der Migrationshintergrund spielt eine Rolle. Laut der Wahlstudie beteiligen sich Personen ohne Migrationshintergrund deutlich häufiger an Wahlen: Rund 50 Prozent nahmen teil. Bei Eingebürgerten lag die Beteiligung bei etwa 33 Prozent, bei Personen mit Schweizer Pass seit Geburt, aber mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil, bei rund 35 Prozent. Insgesamt liegt die Beteiligung bei Menschen mit Migrationshintergrund damit im Schnitt rund 16 Prozentpunkte tiefer.

Tiefe Resultate bleiben legitim

Immer wieder stellt sich die Frage, wie demokratisch Entscheide sind, wenn nur eine Minderheit der Stimmberechtigten teilnimmt. Aus rechtlicher Sicht sei die Lage jedoch klar, sagt Bütikofer: «Ein Wahlresultat ist gültig, wenn der Prozess korrekt nach Gesetz abläuft.»

Demokratietheoretisch lasse sich dennoch darüber diskutieren, wie wünschbar eine so tiefe Beteiligung sei. «Zentral ist, dass man über die Rechte verfügt und teilnehmen kann, sofern man will», sagt die Politologin.

E-Voting als begrenzter Ansatz

E-Voting gilt oft als Möglichkeit, die Stimmbeteiligung zu erhöhen. Die Forschung ist jedoch zurückhaltend. «Man geht davon aus, dass E-Voting die Beteiligung eher nicht oder zumindest nicht flächendeckend erhöht», sagt die Politologin. Ende 2025 boten gesamtschweizerisch 103 Gemeinden den elektronischen Stimmkanal an.

Für Diskussionen sorgte zudem ein Vorfall im Kanton Basel-Stadt: Über 2000 elektronisch abgegebene Stimmen konnten zunächst nicht gezählt werden, weil sich die elektronische Urne nicht öffnen liess. «Man verwendet drei USB-Sticks, auf allen ist der richtige Code, aber keiner funktioniert. Es ist wirklich sehr seltsam», erklärte Regierungssprecher Marco Greiner gegenüber Swissinfo. Die Basler Behörden versuchten jedoch zu beruhigen und betonten, dass der Fehler nicht im E-Voting-System der Schweizerischen Post liege, sondern beim kantonalen Zugang dazu. Dennoch wirft der Vorfall Fragen auf.

Weder Pflicht noch Förderung

Der Klotener Stadtrat versuchte, die Wahl- und Stimmbeteiligung durch eine entsprechende Stelle zu fördern – mit dem Ziel, politische Bildung zu stärken und neue Beteiligungsformate auszubauen. Der Vorschlag scheiterte jedoch und wurde vom Stadtparlament abgelehnt.

Aus einem Recht eine Pflicht zu machen, kann die Beteiligung erhöhen. Im Kanton Schaffhausen gilt eine Stimm- und Wahlpflicht: Die Teilnahme an eidgenössischen, kantonalen und städtischen Abstimmungen ist bis 65 obligatorisch. Wer eine Wahl oder Abstimmung ohne Entschuldigung versäumt, muss sechs Franken bezahlen. Bei den letzten Nationalratswahlen lag die Beteiligung dort bei über 61 Prozent. Für Sarah Bütikofer ist dies jedoch kein überzeugendes Modell für andere Kantone. «Klar wäre die Wahlbeteiligung mit einer Pflicht höher, aber automatisch besser für die Demokratie wäre das deshalb nicht.»

Die Praxis zeigt: Der wohl einfachste und derzeit wirksamste Hebel für höhere Wahlbeteiligung ist, Wahlen möglichst gleichzeitig mit nationalen Abstimmungsterminen durchzuführen.

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