Die Diagnose einer schweren Krankheit, eine Kündigung, der Verlust eines nahestehenden Menschen, eine schwierige familiäre Situation oder andere belastende Umstände im Leben können Anlass sein. Nicht selten schliessen sich grundsätzlichere Fragen an, auf die ich als Pfarrer – so die Erwartung – eine Antwort haben sollte: «Warum lässt Gott das zu» oder noch grundsätzlicher «Wo ist Gott?». Vielfach fehlen aber die Worte, Unfassbares zu benennen. Manchmal erhalten wir über die Zeit Einblicke in mögliche Antworten, doch sind es oft Ereignisse, für die es schlichtweg keine Antwort gibt. So fällt es denn auch schwer, sich mit derartigen Schicksalsschlägen auseinanderzusetzen. Meistens steht ein langwieriger Prozess bevor.
In der Bibel begegnen wir Menschen, die mit solchen Situationen vertraut waren: Sie gaben ihre Hoffnung auf, empfanden Gott als abwesend oder suchten in schwierigen Lebensmomenten nach Halt und Hoffnung. Besonders die Propheten haben die Menschen immer wieder daran erinnert, dass es zum Leben gehört, wenn alles ins Wanken geraten kann. Unsere Lebensverhältnisse wie auch die ganze Welt sind unbeständig. Poetisch formuliert es der Prophet Jesaja: «Berge können von der Stelle weichen und Hügel ins Wanken geraten». Aber mit dieser Feststellung – und das ist das Hoffnungsvolle – ist noch nicht alles gesagt. Denn der Prophet Jesaja fährt fort: «Aber meine Liebe weicht nicht von dir und mein Friedensbund wankt nicht. Das sagt der Herr, der Erbarmen mit dir hat.»
Damit meint Jesaja, dass Gott uns trägt und seine Treue uns in unserem Leben begleitet, auch im neuen Jahr. Was immer geschieht, Gott hält es aus mit uns. Er bleibt uns zugewandt. Gott weicht nicht und fällt nicht. Das ist Trost und schenkt Hoffnung. Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen im neuen Jahr!
Patrice J. Baumann,
Reformierter Pfarrer


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