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Weiter wie bisher wäre fatal

Erstellt von Louis Mayer, Volketswil | |   Unsere Zeitung

Wenn politischer Stillstand als "Konstanz" verkauft wird, ist höchste Vorsicht geboten. Genau dieses Muster prägt Volketswil seit Jahren – mit zunehmend verheerenden Folgen. Der amtierende Gemeindepräsident wiederholt gebetsmühlenartig dasselbe Narrativ: Uns geht es gut. Volketswil ist auf Kurs. Dieses Mantra ist längst Teil des Problems. Denn wer Probleme systematisch schönredet, löst sie nicht – er verdeckt sie.

Mit Bedauern muss festgestellt werden, dass auch Christoph Keller diesem Schönreden verfallen ist. Sein Leserbrief ("Der Präsi-Sitz ist nicht frei", VoNa 30.01.2026) übernimmt unkritisch die beruhigenden Worte des Präsidenten und blendet die realen Entwicklungen aus. Gerade von einem ehemaligen Behördenmitglied hätte man mehr Distanz, mehr Analyse und weniger Loyalitätsrhetorik erwarten dürfen.

Die Fakten sind unmissverständlich: Das schweizweite Gemeinderating (Handelszeitung vom 19. September 2024), gestützt auf rund 50 objektive Indikatoren der statistischen Ämter, weist Volketswil auf Rang 544 von rund 900 Gemeinden aus. Besonders alarmierend sind die Zustände in der Bauverwaltung und bei den Finanzen. Das ist kein politischer Spin, sondern eine nüchterne Standortbestimmung. Der kontinuierliche Abstieg fällt zeitlich mit der Präsidentschaft von Jean-Philippe Pinto zusammen. Wer das nicht zumindest kritisch hinterfragt, macht sich mitschuldig am Wegschauen. Immer wieder wird Pinto als "unabhängig vernetzt" dargestellt. Die Realität sieht anders aus: In den letzten fast drei Jahrzehnten hat sich in Volketswil eine Machtkonzentration etabliert, die alles andere als unabhängig ist. Enge personelle und politische Verflechtungen ersetzen echte Kontrolle. Das Resultat ist Selbstzufriedenheit statt Erneuerung. Dabei war Volketswil historisch immer dann stark, wenn es mutig vorangegangen ist. Die Gemeinde galt als Pionierin bei der Einführung der Fünf-Tage-Schulwoche im Kanton Zürich und wurde später auch mit ihrer Schulgemeinde kantonal als vorbildlich wahrgenommen. Dieser Ruf als fortschrittliche, moderne Gemeinde entstand nicht durch Selbstzufriedenheit, sondern durch Reformbereitschaft. Raffaela Fehr führt diesen Weg im Schulbereich heute vorbildlich weiter. Wer nun erneut dem Motto "Uns geht es gut, ich mache so weiter" folgt, entscheidet sich bewusst gegen Veränderung – und für weiteren Abstieg. Stillstand wird als Stabilität verkauft, Machterhalt als Erfahrung. Früher gehörten wir im Oberland zu den bestplatzierten Gemeinden. Eine weitere Stimme für Jean-Philippe Pinto ist keine Stimme für Sicherheit, sondern eine Entscheidung dafür, dass sich Volketswil weiter schleichend verschlechtert. Das ist kein persönlicher Angriff. Es ist ein Weckruf. Denn eines ist klar: Weiter wie bisher wäre für Volketswil fatal.

Louis Mayer, Volketswil

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