«In der Schweiz habe ich vor knapp zwölf Jahren erstmals ein richtiges Zuhause gefunden», erzählt Yevgeniya Frei. Sie wurde als Tochter russischer Eltern in der damaligen DDR geboren. Einige Jahre später zog die Familie nach Tatarstan, einer autonomen russischen Republik, und schliesslich siedelte sie mit ihrer Mutter in die Krim um. Dort besuchte sie die Musikschule und wurde später in Chorgesang, Chorleitung und Klavier ausgebildet. «Diese Schule ist nicht mit der hiesigen Musikschule vergleichbar», erzählt sie. «Sie ist auf dem Niveau einer Berufsausbildung.» Bereits in ihrer Jugend träumte sie davon, eines Tages das Land zu sehen, in dem sie geboren wurde. Mit 18 Jahren besuchte sie einen Intensivsprachkurs und ging anschliessend für ein Jahr als Au-pair nach Deutschland. «Dort habe ich mit grosser Motivation Deutsch gelernt und schliesslich eine prägende Entscheidung getroffen: Ich wollte die Sprache zu meinem Studienfach machen.» Zurück auf der Krim, begann sie ein Germanistikstudium. In dieser Zeit lernte sie auch ihren späteren Mann Patrick kennen, der sich stark für Osteuropa interessierte.
Eine Heimat gefunden
Gemeinsam kehrte das Paar in die Schweiz nach Volketswil zurück, wo Patrick Frei aufgewachsen war. «Hier habe ich zum ersten Mal ein echtes Gefühl von Heimat erlebt», erzählt Yevgeniya Frei. «Ich fühlte mich weder Russland noch der Ukraine zugehörig – die Krim hatte für mich eine eigene Identität. In der Schweiz hingegen fühlte ich mich von Anfang an angenommen. Ich habe nie etwas Negatives in Bezug auf meine Herkunft erlebt.» Dieses Gefühl der Zugehörigkeit weckte auch den Wunsch, sich aktiv einzubringen – auch politisch. In Zürich begann sie ein Osteuropastudium und studierte Politikwissenschaften, das sie mit dem Master abschloss. «Ich habe viel Energie in dieses Studium investiert. Die Schweizer Politik faszinierte mich sehr. Ich hatte zuvor nie eine Demokratie in dieser Form erlebt. Dass man frei seine Meinungen äussern kann, war für mich eine neue Welt. In meiner früheren Heimat wählte man alle vier Jahre den Präsidenten, obwohl das Resultat bereits feststand.» Erste Frau an der Parteispitze Der politische Einstieg erfolgte schliesslich über Die Mitte. Yevgeniya Freis Mann war bereits Mitglied der damaligen CVP. Als sich diese vor knapp fünf Jahren mit der BDP zusammenschloss, trat auch Yevgeniya Frei der neuen Partei bei. Kurz darauf wurde sie zur Präsidentin der Mitte Volketswil gewählt – als erste Frau an der Parteispitze der CVP / Die Mitte in Volketswil. «Das war ein prägender Moment für mich. Es war mir ein grosses Anliegen, neue Ansätze zu bringen, die Gemeindepolitik mitzugestalten und mitzuprägen. Ich spürte ein grosses Vertrauen der Mitglieder, wir haben stets auf Augenhöhe miteinander diskutiert. Respekt gegenüber jedem Menschen und jeder Meinung ist mir wichtig, denn Politik bedeutet für mich auch zuhören. Man tauscht sich aus und stimmt am Schluss demokratisch ab. So haben wir unsere Parolen immer erarbeitet.» Beruflich hat sich Yevgeniya Frei auf (politische) Kommunikation und Social Media spezialisiert. Als neugierige und vielseitig interessierte Frau hat sie in den verschiedensten Bereichen wertvolle Erfahrungen sammeln können. So hat sie von 2021 bis 2023 für Die Mitte Kanton Zürich den Wahlkampf begleitet und hatte als Campaignerin die Verantwortung für die politische Kommunikation und die strategische Planung im Rahmen der kantonalen und der nationale Wahlen inne. Später wurde sie Leiterin Kommunikation und Social Media bei der Schweizer Denkfabrik foraus, einer Plattform für junge Menschen, die aktiv die Aussenpolitik mitgestalten wollen. Und heute arbeitet sie 80 Prozent als Leiterin Kommunikation und Marketing bei Paprec Schweiz, einem Dienstleister für nachhaltiges Recycling. «Ich wollte auch die Seite eines Industriebetriebs in der Privatwirtschaft kennenlernen», sagt sie. «Ich bin ein spontaner Mensch und interessiere mich für vieles, habe gerne mit Menschen zu tun und brauche verschiedene Aufgaben. Den ganzen Tag lang dasselbe zu tun, würde ich nicht aushalten.»
Leidenschaft für die Musik
Einen wichtigen Stellenwert in Yevgeniya Freis Leben nimmt die Musik ein. So ist sie aktives Mitglied von SoprAlti, einem Frauenchor des Opernhauses Zürich, der an verschiedenen Produktionen mitwirkt und auch eigene Konzerte gibt. «Auf der Krim war die Musik mein Beruf, hier ist das Opernhaus mein Herzstück. Momentan proben wir fast täglich für verschiedene Produktionen. Die Musik ist für mich ein sehr wertvolles Hobby. Die Jobs kommen und gehen, die Musik bleibt.» Derzeit macht Yevgeniya Frei verschiedene Weiterbildungen im Bereich Kommunikation und engagiert sich weiter für die Partei. Diese Arbeit sieht sie als verantwortungsvolles Engagement. Doch an der nächsten Generalversammlung tritt sie zurück, denn sie zieht mit ihrem Mann nach Wald im Zürcher Oberland. Ob sie sich auch dort politisch engagieren wird, lässt sie offen.


Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!