Das Thema Foodwaste scheint die Volketswilerinnen und Volketswiler zu interessieren. Rund fünfzig Personen versammelten sich am Samstag bei der Bushaltestelle beim Gemeinschaftszentrum In der Au, um der Eröffnung des neuen «Madame Frigo» beizuwohnen. Sandra Zimmermann, Sachbearbeiterin Abfall und Assistentin der Abteilungsleitung, hat das Projekt vor Ort initiiert. Sie begrüsste die Anwesenden und zeigte sich sichtbar erfreut über die Umsetzung. «Das Thema Abfallvermeidung liegt mir persönlich am Herzen, und ich hoffe, dass der Kühlschrank von der Bevölkerung rege genutzt wird», sagte sie und zeigte stolz auf den grossen grünen Schrank, in dem sich ein kleiner Kühlschrank sowie weitere Abteile für Brot und Gemüse befinden.
Für die ganze Bevölkerung
Hinter dem Kühlschrank steht der nationale Verein «Madame Frigo», der schweizweit über 185 solcher Standorte betreibt. Die Gemeinde Volketswil unterstützt das Vorhaben, der lokale Betrieb wird durch freiwillige Patinnen und Paten getragen. Vorsteherin Tiefbau und Werke Karin Ayar (parteilos) zeigte sich ebenfalls begeistert vom raschen Zustandekommen. «Es ist wichtig, dass wir ganz schnell zu diesem Kühlschrank gekommen sind, und man sieht, dass es die Leute interessiert.», sagte die Gemeinderätin.
«Der Kühlschrank stehe ausdrücklich allen offen», sagt die Gemeinderätin weiter. Das Angebot richte sich an die gesamte Bevölkerung, das Thema Foodwaste gehe schliesslich alle an, so Ayar. Sie selbst wohne in der Nähe und werde den Kühlschrank regelmässig nutzen: «Wenn ich vorbeilaufe, schaue ich, ob etwas drin ist, was ich brauchen könnte.» Mit Blick auf den Hintergrund des Projekts wurde sie deutlich: «Wenn ich etwas nicht mag, ist die Wegwerfkultur.»
Zu unserem Video
Bringen und holen
Das Konzept ist einfach: Wer zu Hause Lebensmittel hat, die nicht mehr gebraucht werden, bringt sie in den Kühlschrank. Wer etwas davon brauchen kann, nimmt es mit – ohne Anmeldung, ohne Bezahlung. Erlaubt sind Obst, Gemüse, verpackte Lebensmittel sowie Produkte kurz vor dem Ablaufdatum. Nicht abgegeben werden dürfen Fleisch, Fisch, Alkohol, Medikamente sowie gekochte oder bereits geöffnete Speisen. Der Verein und die freiwilligen Betreuerinnen und Betreuer kontrollieren den Kühlschrank regelmässig, prüfen die Lebensmittel und sorgen für Sauberkeit.
Warum es solche Kühlschränke überhaupt braucht, erläuterte Erika Ruff, Foodsharing-Botschafterin im Zürcher Oberland. In der Schweiz fielen jedes Jahr rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. «Wenn man das in Lastwagen abfüllen würde, gäbe es eine Kolonne von Zürich bis nach Madrid», sagte sie. Foodwaste entstehe zwar überall – in der Landwirtschaft, im Handel und in der Verarbeitung. «Doch der grösste Teil wird in den Haushalten produziert», sagte Ruff. Man gehe einkaufen, habe Hunger und packe den Wagen voll. Zu Hause werde dann weggeworfen, was älter sei.
Patin mit passendem Namen
Eine besondere Geschichte verbindet sich mit einer der frischgebackenen Patinnen des Kühlschrankes . Daniela Frigo lebt seit 34 Jahren in Volketswil und hat von der Eröffnung über die Volketswiler Nachrichten erfahren. «Ich habe gedacht, bis jetzt bin ich die einzige Madame Frigo in dieser Gemeinde», sagte sie schmunzelnd. Mit dem Verein selbst habe sie keine Verbindung, der Name sei reiner Zufall. Spontan habe sie sich entschlossen, das Projekt als Patin zu unterstützen. «Ich finde es einfach eine super gute Sache», so Frigo. Einen Wunsch hat sie für die ersten Wochen und Monate: «Ich hoffe ganz fest, dass der Kühlschrank von Vandalen verschont bleibt.»
So funktioniert Madame Frigo
Die öffentlichen Kühlschränke stehen allen Interessierten als Tauschplattform zur Verfügung. Wer übrige, noch geniessbare Lebensmittel hat, kann sie zum Frigo bringen – und im Gegenzug selbst Produkte mitnehmen.
Erlaubt sind: Obst, Gemüse und Brot sowie verschlossene Produkte, die höchstens das Mindesthaltbarkeitsdatum, nicht aber das Verbrauchsdatum erreicht haben.
Nicht erlaubt sind: Fleisch, Fisch, Alkohol sowie bereits geöffnete oder verarbeitete Produkte wie etwa gekochte Speisen.
Ein Team von Freiwilligen aus dem Quartier betreut den Kühlschrank, übernimmt die hygienische Pflege und kontrolliert regelmässig die Inhalte. Jede Nutzerin und jeder Nutzer ist aufgefordert, den Frigo sauber zu hinterlassen. Die Benutzung erfolgt eigenverantwortlich; weder die Betreuenden noch der Verein Madame Frigo übernehmen eine Haftung.
Der neue Standort befindet sich bei der Bushaltestelle beim Gemeinschaftszentrum In der Au in Volketswil und ist rund um die Uhr zugänglich. Eine Übersicht aller Standorte in der Schweiz ist auf madamefrigo.ch zu finden.





Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!